Institut für Freizeitwissenschaft und Kulturarbeit e.V.
Kinderyoga an der Grundschule
Pilotstudie zur Evaluation von Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung
Projektbericht
Bearbeitung: Dr. Dieter Brinkmann
Bremen 2008
Inhalt
1 Einleitung ............................................................................................................................... 4
2 Zielsetzung, Gegenstand und Auftraggeber ........................................................................... 5
2.1 Zielsetzung ...................................................................................................................... 5
2.2 Hintergrund und Gegenstand........................................................................................... 5
2.4 Rahmenbedingungen an der Eichendorffschule.............................................................. 6
3 Methoden der Evaluation ....................................................................................................... 7
3.1 Untersuchungsdesign ...................................................................................................... 7
3.2 Fragestellungen ............................................................................................................... 8
3.4 Datenerhebung und Untersuchungsgruppe ..................................................................... 9
3.5 Kritische Einschätzung der Methodik ........................................................................... 10
3.6 Darstellung im Bericht .................................................................................................. 10
4 Fallanalysen zum Kinderyoga.............................................................................................. 12
4.1 Kind 1............................................................................................................................ 12
4.1.1 Ausgangslage ......................................................................................................... 12
4.1.2 Beobachtete Verhaltensänderungen ....................................................................... 12
4.1.3 Selbsteinschätzung durch das Mädchen K1 ........................................................... 14
4.2 Kind 2............................................................................................................................ 14
4.2.1 Ausgangslage ......................................................................................................... 14
4.2.2 Beobachtete Verhaltensänderungen ....................................................................... 15
4.2.3 Selbsteinschätzung durch das Mädchen K2 ........................................................... 16
4.3 Kind 3............................................................................................................................ 16
4.3.1 Ausgangslage ......................................................................................................... 16
4.3.2 Beobachtete Verhaltensänderungen ....................................................................... 17
4.3.3 Selbsteinschätzung durch das Mädchen K3 ........................................................... 18
4.4 Kind 4............................................................................................................................ 19
4.4.1 Ausgangslage ......................................................................................................... 19
4.4.2 Beobachtete Verhaltensänderungen ....................................................................... 19
4.4.3 Selbsteinschätzung durch das Mädchen K4 ........................................................... 21
4.5 Kind 5............................................................................................................................ 21
4.5.1 Ausgangslage ......................................................................................................... 21
4.5.2 Beobachtete Verhaltensänderungen ....................................................................... 22
4.5.3 Selbsteinschätzung durch das Mädchen K5 ........................................................... 23
4.6 Kind 6............................................................................................................................. 24
4.6.1 Ausgangslage ......................................................................................................... 24
4.6.2 Beobachtete Verhaltensänderungen ....................................................................... 24
4.6.3 Selbsteinschätzung durch den Jungen K6 .............................................................. 26
4.7 Kind 7............................................................................................................................. 26
4.7.1 Ausgangslage ......................................................................................................... 26
4.7.2 Beobachtete Verhaltensänderungen ....................................................................... 27
4.7.3 Selbsteinschätzung durch das Mädchen K7 ........................................................... 28
5 Fallübergreifende Interpretation........................................................................................... 29
5.1 Akzeptanz des Yogaangebots........................................................................................ 29
5.1.1 Kinder..................................................................................................................... 29
5.1.2 Eltern ...................................................................................................................... 29
5.1.3 Lehrer ..................................................................................................................... 30
3
5.2 Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung........................................................................ 31
5.2.1 Erinnerung der Kinder............................................................................................ 31
5.2.2 Bereiche der Entwicklung ...................................................................................... 32
5.2.3 Matrix zu Verhaltensänderungen ........................................................................... 35
5.2.4 Intervenierende Faktoren........................................................................................ 36
5.2.5 Überlegungen zu möglichen Kontrollgruppen....................................................... 37
5.2.6 Vergleich mit den Ergebnissen des zweiten Kursdurchlaufs ................................. 38
6 Fazit ..................................................................................................................................... 40
8 Anhang ................................................................................................................................ 43
4
1 Einleitung
Die Kinder zu stärken, war das zentrale Anliegen des Projekts „Gesunde Schule“ an der Eichendorffschule
in Bielefeld. Es fällt in eine Zeit, in der mehr denn je über angemessene Bildungskonzepte
gerungen wird und die Erwartungen an die Schule, Probleme in anderen Lebensbereichen
aufzufangen, steigen.
Neue Wege zu gehen, ist daher gefordert. Die Eichendorffschule hat in Zusammenarbeit mit
den Yogatrainern von PraeVita Bielefeld in diesem Sinne ein Pilotprojekt zur Integration von
Yogakursen in das Angebot der Offenen Ganztagsschule gestartet. Die Teilnahme an einem
solchen Kurs des Kinderyoga erscheint als eine gute Möglichkeit, mit den Belastungen im
Alltag präventiv umzugehen.
Die vorliegende Studie dokumentiert die Ergebnisse der Begleitforschung zum Projekt „Kinderyoga
an der Grundschule“ und befasst sich mit den Auswirkungen des Yogaangebots auf
die Persönlichkeitsentwicklung der Grundschüler. Die Ergebnisse der begleitenden Untersuchung
auf der Basis von Gesprächen mit den Kindern, ihren Müttern und den jeweiligen Klassenlehrern
verweisen auf die Chancen, über das Yoga das Selbstvertrauen der Kinder zu stärken
und zu einer anderen Körperwahrnehmung beizutragen.
Die Akzeptanz für das Kinderyoga in der Grundschule ist hoch, bei Schülern, Eltern und Lehrern.
Die befragten Kinder haben ganz überwiegend sehr viel Freude an den Übungen, die
Eltern stehen dem Yoga positiv gegenüber, und die Lehrer sehen förderliche Auswirkungen
auf das Verhalten der Kinder im Unterricht. „Mehr Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten“ erscheint
als eine Metapher für den Beitrag des Kinderyoga, der auch in andere Lernbereiche
der Kinder mit hineingenommen werden kann. Im Projektbericht wird diese Einschätzung
durch sieben Fallanalysen und eine überübergreifende systematische Betrachtung von Wirkungsbereichen
gestützt und dokumentiert.
Alles spricht für eine Fortführung des Kinderyoga-Programms an der Eichendorffschule, um
über einen längeren Zeitraum Erfahrungen mit den Wechselwirkungen zwischen körperlichen
Übungen und der geistigen und seelischen Entwicklung der Kinder zu sammeln. Die Ergebnisse
der qualitativen Begleitforschung können dazu genutzt werden, die persönlichkeitsfördernde
Wirkung des Yoga im Kontext der Grundschule noch genauer zu untersuchen. Angebote
zwischen Freizeit und Schule gewinnen heute möglicherweise einen höheren Stellenwert
für eine stabile Entwicklung von Kindern. Ihre Wechselwirkungen mit anderen Lebensbereichen
im Sinne qualitativer sozialwissenschaftlicher Ansätze zu rekonstruieren und durch Praxisprojekte
zu erkunden, erscheint als lohnende Aufgabe.
Für die Mitwirkung an der Untersuchung danken wir den beteiligten Kinder, ihren Müttern
und den Lehrern der Eichendorffschule. Besonderer Dank für die Unterstützung bei der Umsetzung
gilt Frau Beate Breunig von der OGS.
Bremen im August 2008
Dr. Dieter Brinkmann
5
2 Zielsetzung, Gegenstand und Auftraggeber
2.1 Zielsetzung
Ziel des Evaluationsprojekts „Kinderyoga an der Grundschule“ war es, die möglichen Auswirkungen
eines zeitlich begrenzten und kindgerecht gestalteten Yoga-Angebots auf die Persönlichkeitsentwicklung
zu dokumentieren und zu analysieren. Vermutet wurden positive
Wirkungen im Sinne einer ganzheitlichen Persönlichkeitsentwicklung (Geist, Seele, Körper).
Im Mittelpunkt standen dabei die Selbstwahrnehmungen der Kinder sowie die Beobachtungen
von Eltern und Lehrern zur Entwicklung der Kinder im Zusammenhang mit den YogaÜbungen.
Das Projekt wurde als eine qualitative Pilotstudie mit unterschiedlichen Perspektiven (Kinder,
Eltern, Lehrer) angelegt und sollte grundlegende Kategorien für eine Begleitforschung auf
quantitativer Basis mit einer größeren Stichprobe herausarbeiten und Hinweise auf mögliche
Schwerpunkte der persönlichkeitsfördernden Wirkungen geben.
2.2 Hintergrund und Gegenstand
Im Rahmen des Projekts „Gesunde Schule“ an der Bielefelder Eichendorffschule hat die Firma
PraeVita über ein Jahr Yogaunterricht für Grundschulkinder angeboten. In der Zeit von
Oktober 2007 bis Juni 2008 wurden nacheinander drei Kurse mit je 15 Plätzen für die Kinder
der Offenen Ganztagsschule (OGS) angeboten.
Grundlage für die Kinderyoga-Kurse ist ein von Wolfgang Richter und Stephanie Peczynsky
(PraeVita OWL) entwickeltes Konzept. Die Grundfiguren des Yoga werden in selbst entwickelte
Geschichten in Form von Pflanzen- und Tierdarstellungen der kindlichen Vorstellungswelt
entsprechend eingebaut. Die Geschichten geben eine kindgerechte Motivation für
die angestrebte Körperhaltung und den Ablauf von Bewegungen (Samenkorn, Vogel, Katze,
Gänseblümchen).
Für jede Figur gibt es ein Script mit der Rahmengeschichte zu den jeweiligen Bewegungsabläufen.
Beispiele für die Figuren sind der Vogel oder die Entwicklung des Samenkorns zur
Pflanze. Angestrebt werden bestimmte Sinnbilder, die durch die Körperhaltungen zum Ausdruck
gebracht werden. Von diesen Sinnbildern (z.B. frei, leicht wie ein Vogel) gehen, so die
Vermutung der Anbieter, objektive, schöpferische Wirkungen aus, die über die rein körperlichen
Effekte hinausreichen und eine ganzheitliche Entwicklung der Persönlichkeit anregen.
Neben der besseren Akzeptanz der Yoga-Übungen bei den Kindern durch ein Verpacken in
Geschichten erwarten die Betreiber eine indirekte Aufnahme und Verinnerlichung der in den
Scripten enthaltenen ethischen Botschaften. Jede Figur bzw. Geschichte soll bestimmte
menschliche Tugenden zum Ausdruck bringen. Die Vorstellungen beziehen sich zum Beispiel
auf Aspekte wie Offenheit, Freiheit, Feinsinnigkeit. In Figuren mit Partnerübungen wird auf
das Miteinander sehr viel Wert gelegt, und ein Wettkampf wird vermieden. Kooperation und
soziales Verhalten werden als Sinnbild erlebbar gemacht.
Angenommen wird, dass die Einübung und regelmäßige Wiederholung dieser Tugendbotschaften
zusammen mit den entsprechenden Körperhaltungen persönlichkeitsbildend wirkt.
Nach Vermutung der Anbieter wird dieses Verinnerlichen verstärkt durch eine „lobende
6
Grundhaltung“ des Trainers. Nicht die Erreichung einer perfekten Figur wird durch Lob bzw.
Kritik vorangetrieben, sondern, es werden das Bemühungen und eine innere Haltung der Kinder
durch Lob verstärkt. In dieser Hinsicht, ist die Lehrer-Schüler-Beziehung sehr bedeutend.
Insgesamt wird erwartet, dass durch die Summe der verschiedenen Übungen und Tugendbotschaften
eine positive Persönlichkeitsentwicklung bei den Kindern angeregt wird. Sie müsste
sich in Merkmalen wie Ausgeglichenheit, Freundlichkeit, Friedfertigkeit, Hilfsbereitschaft,
Einfühlungsvermögen, Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein zeigen. Ein prosoziales Verhalten
und ein Rückgang von aggressiven, konfliktorientierten Verhaltensweisen müssten ebenso
damit einhergehen. Eine genauere Darstellung der Grundlagen des Kinderyoga enthält die
Diplomarbeit von Schulenburg (2008, S. 35 ff.).
2.3 Auftraggeber und Projektpartner
Auftraggeber für das Projekt ist die PraeVita OWL GbR. Eine finanzielle Förderung der Begleitforschung
erfolgt über das „Haus Yoga Vidya“ in Bad Meinberg. Kooperationspartner
bei der Umsetzung ist die Grundschule Eichendorffschule in Bielefeld.
2.4 Rahmenbedingungen an der Eichendorffschule
Das Yogaangebot war ein Teil des Angebots der Offenen Ganztagsschule (OGS). Im Anschluss
an die Mittagspause werden in diesem Rahmen Hausaufgabenbetreuung, Arbeitsgemeinschaften
und verschieden Aktivitäten angeboten. Das Yoga war ein Pflichtprogramm für
die OGS-Kinder des zweiten bis vierten Schuljahres.
7
3 Methoden der Evaluation
3.1 Untersuchungsdesign
Die Studie wurde als eine qualitative Pilotstudie mit 15 Kindern angelegt. Vorgesehen war die
Begleitung des letzten von drei Yogakursen an der Eichendorffschule in Bielefeld (2.4. bis
25.6.2008). Die Studie stützt sich auf Interviews mit den Kindern, ihren Eltern und den jeweiligen
Klassenlehrern.
Sample
In die Untersuchung sollten alle 15 Kinder des Kinderyogakurses an der Grundschule einbezogen
werden. Die Eltern wurden um ihr Einverständnis zu dieser Begleitforschung gebeten.
Die zweite Gruppe umfasste die Eltern der Kinder. Hier war eine Befragung der 15 Mütter
(falls möglich) oder der Väter vorgesehen. Die dritte Gruppe stellten wichtige Lehrer der
Kinder dar (Klassenlehrerin, Klassenlehrer). Ziel war es, zu jedem Kind mindestens eine Lehrereinschätzung
zu bekommen
Abb. 1: Systemische Darstellung des Untersuchungsgegenstandes
Die Untersuchung soll auf der Basis qualitativer Methoden erfolgen.
Vorgesehen sind qualitative, leitfadengestützte Interviews mit den Kindern, den Müttern und
den Lehrern.
Interviewzeitpunkte für die Kinder-Interviews:
Etwa zeitgleich mit dem Beginn des Kurses sollen die Kinder in einem ersten Interview zu
ihren Lebenswelten Schule, Familie und Freizeit befragt werden. Hinzu kommen erste Eindrücke
vom Kinderyoga-Angebot.
In einer zweiten Interviewwelle am Ende des Kurses sollen die Kinder zu möglichen Auswirkungen
des Kinderyoga-Angebots auf ihr Agieren in den jeweiligen Lebenswelten befragt
werden und Selbstbeobachtungen zu Veränderungen äußern.
Die Abb. 1 zeigt die in einer systemischen Darstellung die Beteiligten am Projekt. Zentraler
Bezugspunkt ist der Kurs „Kinderyoga“ mit seinen Botschaften, Übungen und den Trainern.
Der Rahmen für das Projekt wurde durch die Offene Ganztagsschule gebildet. Zu den damit
verbundenen Randbedingungen gehörte eine verpflichtende Teilnahme der Kinder am Yogakurs.
Aus dem Kursgeschehen ergaben sich zwei günstige Zeitpunkte für die Begleituntersuchung
(T1, T2) zu Beginn und zum Ende des Kurses. Die Pfeile im Modell deuten die Reflexionsmöglichkeiten
der Beteiligten an.
Kind
T1
Kind
T2
Kinderyoga
Botschaften, Übungen, Trainer
Lehrer Eltern
Offene Ganztagsschule
8
Interviewzeitpunkt für die Kinderinterviews
Die beteiligten Kinder sollten am Ende des Kurses zu möglichen Auswirkungen des Kinderyoga-
Angebots auf ihr Agieren in den Lebenswelten Schule, Familie und Freizeit befragt
werden. Sie sollten sich zu Selbstbeobachtungen äußern und die Bedeutung des Yogakurses
einschätzen.
Interviewzeitpunkte für die Elterninterviews
Etwa zeitgleich mit dem Beginn des Kurses sollten die Eltern der Kinder in einem ersten Interview
zur Persönlichkeitsentwicklung ihrer Kinder befragt werden. Sie sollten bestimmte
Persönlichkeitsmerkmale einschätzen und über die soziale Integration der Kinder in die Lebenswelten
Freizeit und Schule berichten.
In einer zweiten Interviewwelle am Ende des Kurses sollten die Eltern die möglichen Veränderungen
im Verhalten der Kinder einschätzen und Vergleiche zur Situation vor dem Yogakurs
ziehen. Gesprächsschwerpunkt war wie beim ersten Interview die Persönlichkeitsentwicklung
und soziale Integration in die Lebenswelten Schule und Freizeit.
Interviewzeitpunkt für die Lehrerinterviews
Die Gespräche mit den jeweiligen Klassenlehrern der Grundschüler sollten am Ende des Yogakurses
geführt werden. Angestrebte Schwerpunkte waren hier die Beobachtungen der Lehrer
zur Persönlichkeitsentwicklung der Kinder sowie die möglichen Auswirkungen des Yogakurses
auf das Lernverhalten und die soziale Integration in die Lebenswelt Schule.
Prä/Post-Interviews
Aufgrund der begrenzten Kapazitäten des Projekts war nur eine Interviewwelle mit den Lehrern
vorgesehen. Die Lehrer sollten daher im jeweiligen Gespräch mögliche Vergleiche (vorund
nach dem Yoga-Kurs) ziehen und die Veränderungen im Verhalten des Kindes einschätzen.
3.2 Fragestellungen
Im Mittelpunkt des Evaluationsprojekts standen folgende Fragestellungen:
- Welche Wirkungen hat das Kurzzeitangebot „Kinderyoga“ in der Grundschule auf die
Persönlichkeitsentwicklung der Kinder?
- Welche Aspekte einer ganzheitlichen Persönlichkeitsentwicklung (Geist, Seele, Körper)
werden durch das Angebot gestärkt?
- Welche Selbstbeobachtungen machen die Grundschulkinder nach der Teilnahme am Yoga?
- Welche Veränderungen nehmen die Eltern bei ihren Kindern wahr?
- Welche Veränderungen nehmen die Lehrer bei den Kindern wahr?
9
3.3 Erprobung des Untersuchungsdesigns im Rahmen einer Diplomarbeit
Im Rahmen einer Diplomarbeit and der Hochschule Bremen im Studiengang Angewandte
Freizeitwissenschaft konnte das Untersuchungsdesign und das praktische Vorgehen bei der
Datenerhebung erprobt werden (vgl. Schulenburg 2008). Die Ergebnisse dieser Arbeit beziehen
sich auf den zweiten Yogakurs an der Eichendorffschule und basieren auf sechs untersuchten
Kindern. Die von Katja Schulenburg unternommene qualitative Analyse liefert ebenfalls
erste Einschätzungen zu den Wirkungen des Yogaangebots auf die Persönlichkeitsentwicklung
der Kinder. Auf die in diesem Zusammenhang gewonnenen Kategorien wird im
Abschnitt 5 des Berichts näher eingegangen.
3.4 Datenerhebung und Untersuchungsgruppe
Die Datenerhebung für das Evaluationsprojekt erfolgte wie geplant. Eine Übersicht über das
Angebot und verschiedene Teile der Begleitforschung zeigt die Abb. 2.
Abb. 2: Gesamtprojekt Kinderyoga und Begleitung einzelner Kurse
Insgesamt konnten in die Untersuchung sieben von zwölf Kindern des dritten Kurses an der
Eichendorffschule einbezogen werden. Die meisten Kinder sind in der dritten und vierten
Klasse. Ein Kind besucht die erste Klasse. Das Alter liegt zwischen sieben und neun Jahren.
Unter den befragten Teilnehmern ist nur ein Junge, die übrigen sind Mädchen.
Ein Teil der angefragten Eltern konnte nicht für eine Beteiligung an der Untersuchung gewonnen
werden. Zwei Eltern gaben keine Einwilligung. Zu drei Familien, davon zwei mit
Kurs 1
10-11/2007
Kurs 2
1-3/2008
Kurs 3
4-6/2008
Diplomarbeit
Katja
Schulenburg
Evaluation
IFKA
12 gesamt
7 U-Gruppe
15 gesamt
6 U-Gruppe
15 gesamt
Interviews
Eltern (v/n)
Lehrer (v/n)
Kinder (n)
Interviews
Eltern (v/n)
Lehrer (n)
Kinder (n)
10
Migrationshintergrund, konnte trotz intensiver Bemühungen (über die OGS und per Telefon)
kein Kontakt hergestellt werden.
Tab.1: Kinder der Untersuchungsgruppe
Kind Geschlecht Klasse
K1 weiblich 1
K2 weiblich 2
K3 weiblich 4
K4 weiblich 4
K5 weiblich 4
K6 männlich 3
K7 weiblich 3
Frageleitfaden als Grundlage
Grundlage für die Interviews mit den Kinder, Müttern und Lehrern war jeweils ein Frageleitfaden
mit wenigen offenen Fragen. Die verschiedenen Varianten für die einzelnen Beteiligten
sind im Anhang dokumentiert. Integriert in den Leitfaden für Eltern und Lehrer war eine standardisierte
Frage mit 31 Aspekten zu Persönlichkeitsmerkmalen der Kinder. Daraus wurden
„Persönlichkeitsprofile“ für einen Prä/post-Vergleich erstellt.
Persönliche und telefonische Interviews
Mit den Kindern und den beteiligten beiden Lehrern wurden persönliche Interviews vor Ort in
der Eichendorffschule durchgeführt. Die Gespräche wurden elektronisch aufgezeichnet,
transkribiert und anschließend mit Computerunterstützung analysiert.
Mit den Müttern der Kinder wurden jeweils zwei telefonische Interviews durchgeführt, eines
am Anfang des Kurses und ein zweites nach Kursende.
3.5 Kritische Einschätzung der Methodik
Die qualitativen persönlichen Interviews mit den Kindern und den Lehrern erbrachten eine
gute Datengrundlage für die Begleitforschung. Und die erste telefonische Interviewrunde mit
den Müttern ermöglichte eine gute Dokumentation der Ausgangslage. Die zweite Interviewrunde
mit den Müttern der beteiligten Kinder war wider erwarten nicht ganz so ergiebig. Dies
mag mit der Interviewsituation zusammenhängen (zweites Telefoninterview, anstehende Ferienzeit).
Es kann aber auch angenommen werden, dass durch den Ganztagsunterricht bestimmte
Verhaltensbereiche der Kinder nicht mehr so im Blick der Eltern sind. Dies zeigt sich
zum Beispiel bei den Schwierigkeiten, das Lernverhalten der Kinder einzuschätzen.
3.6 Darstellung im Bericht
Der Projektbericht umfasst zwei große Ergebnisteile. Im ersten Teil werden Fallanalysen zu
den beteiligten sieben Kindern unternommen. Bei jedem Kind wird zunächst die Ausgangsla11
ge dargestellt. Basis hierfür sind die Berichte der Mütter und der Lehrer. Daran anschließend
werden Einschätzungen zu beobachteten Veränderungen dokumentiert. Diese basieren ebenfalls
auf den Interviews mit den Müttern und den Klassenlehrern.
Der zweite Teil des Projektberichts enthält fallübergreifende Interpretationen. Hierbei wird
versucht, systematisch einzelne Bereiche der persönlichkeitsrelevanten Effekte des Kinderyoga
herauszuarbeiten.
Um die Anonymität der Beteiligten zumindest hinreichend zu wahren, werden für die Interviewpartner
einheitlich gebildete Kodierungen verwendet: K1 bis K7 für die Kinder und M1
bis M7 bei den Müttern sowie L1 und L2 für die Lehrer. Bei Müttern und Kindern ist über die
Ziffer eine jeweilige Zuordnung möglich. Bei den beiden Lehrern erfolgte eine willkürliche
Vergabe von Kürzeln.
12
4 Fallanalysen zum Kinderyoga
4.1 Kind 1
4.1.1 Ausgangslage
Beschreibung durch die Mutter (M1)
Das Mädchen K1 wird von seiner Mutter als ein lebhaftes Kind beschrieben. Es erscheint
kindlich, spielt gern, ist sehr offen, fröhlich und sehr eigen. K1 wird als etwas verträumt in
ihrer Welt wahrgenommen und ist in ihrer Entwicklung ein bisschen zurück. Sie hat etwas
Probleme, sich selbst zu strukturieren und hat etwas Schwierigkeiten in der Schule bei den
offenen Unterrichtskonzepten, die selbst organisiertes Lernen erfordern. Die Konzentrationsfähigkeit
erscheint der Mutter noch nicht so gut wie bei anderen Kindern. In der Freizeit beschäftigt
sie sich mit Singen und Tanzen, spielt im großen Garten der Familie und hat eine
beste Freundin aus den Zeiten des Kindergartens, mit der sie viel unternimmt. Der Mittwoch,
an dem das Yoga angeboten wird, ist für sie ein langer Tag in der Schule.
Beschreibung durch die Lehrerin (L2)
Ihre Lehrerin beschreibt das Mädchen K1 als ein Erstklässlermädchen mit Schwierigkeiten,
sich in den jahrgangsübergreifenden Unterricht einzufinden1. Sie hat Probleme, ihre Arbeitsabläufe
selbst zu strukturieren. Sie ist schnell abgelenkt und wenig zielstrebig, wenn ihr die
Aufgaben nicht ganz zusagen. Andererseits kann sie auch fleißig arbeiten und gut vorankommen,
wenn ihr die Aufgaben Spaß machen. Der Sprachenbereich liegt ihr eher, und sie kann
gut Geschichten schreiben. Trotzdem wird sie im nächsten Jahr Teile des ersten Schuljahres
wiederholen müssen. Aufgrund ihres Alters hat sie in der Jahrgangsgruppe Probleme Anschluss
zu finden. Nach Einschätzung der Lehrerin steht sie etwas „auf verlorenem Posten“
was die sozialen Kontakte angeht. Das soziale Miteinander ist nicht immer unproblematisch,
und sie bekommt auch negative Stimmungen von den anderen zu spüren.
4.1.2 Beobachtete Verhaltensänderungen
Einschätzung durch die Mutter (M1)
Nach Einschätzung der Mutter gefiel K1 das Yoga gut und auch die Einbindung der Übungen
in Geschichten. Sie hat nicht an allen Terminen teilgenommen, und M1 könnte sich vorstellen,
dass bei einem Yogakurs in der Freizeit, der von den Eltern begleitet wird, noch andere
Wahrnehmungen möglich gewesen wären.
Allgemein hat M1 die Einschätzung, dass das Kinderyoga K1 „ausgeglichener“ gemacht hat.
Sie bezieht diese Beobachtung auf das „Abholen“ von K1 nach der Schule gegen 14.00 Uhr
und vergleicht Tage mit und ohne Yoga.
„Wenn sie davor Yoga gehabt hat, war sie schon ausgeglichener. Das hat ihr schon gut getan.“
(M1-post)
1 In der Eichendorffschule werden die Klassen 1 bis 3 in jahrgangsgemischten Gruppen unter Einbeziehung von
Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf unterrichtet.
13
Weitere Verhaltensänderungen in der Familie, der Freizeit oder bezogen auf das Lernen können
von M1 nicht benannt werden.
Einschätzung durch die Lehrerin (L2)
Die Lehrerin von K1 kann nicht so richtig einschätzen, ob ihr das Yoga gefällt. Sie äußert sich
nicht so stark dazu. Die Veränderungen im Lern- und Sozialverhalten von K1 sieht ihre Lehrerin
in „Wellenbewegungen“ Es gab im Laufe des Schuljahres Verbesserungsphasen und
auch wieder Tiefs. Stärkere Streitereien hat sie in letzter Zeit nicht mitbekommen.
Leichte Veränderungen beobachtet L2 beim Selbstvertrauen von K1. Sie stellt fest, dass „sie
im Laufe des Schuljahres mehr Zutrauen in ihre eigenen Fähigkeiten hat“ (L2). An einige
Themenstellungen wagt sie sich nun eher heran. Auch im Vergleich mit den drei anderen von
L2 unterrichteten Kindern (K2, K6, K7) erscheint der Lehrerin eine Entwicklung zu „mehr
Selbstbewusstsein“ beobachtbar. Diese Entwicklung, so ihre Vermutung könnte durch das
Yoga mit unterstützt worden sein.
Tab. 2: Persönlichkeitsprofil von K1
Persönlichkeitsprofil K1
M1 prä M1 post Lehrer Veränderung
ist sehr aufgeschlossen XX XX X
hat mehrere Freunde in der Klasse X X 0
ist generell beliebt bei seinen Mitschülern X 0 X -
ist in die Klassengemeinschaft integriert 0 X X +
langweilt sich schnell, wenn er/sie allein ist 0 0 0
spielt überwiegend phantasievoll XX XX XX
hat eigene Antriebskraft zum Lernen X XX X +
ist bei den Hausaufgaben fleißig X XX 0 +
träumt häufig vor sich hin XX X XX +
neigt bei Frust/Ärger zu Wutausbrüchen XX X X +
ist eher ruhig und ausgeglichen 0 0 X
ist eher schüchtern 0 0 X
kann sich gut auf eine Aufgabe konzentrieren X X 0
hat ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden 0 X X +
ist oft streitlustig X X X
hat eine hohe Leistungsbereitschaft X X 0
ist meistens kompromissbereit 0 0 X
ist selbstsicher 0 X X +
ist zuversichtlich X X 0
hat ein positives Bild von sich selbst 0 X 0 +
ist häufig ängstlich 0 0 X
stellt sich gern neuen Herausforderungen X X X
ist offen für neue Kontakte XX XX XX
ist hilfsbereit XX XX XX
ist unsicher im Umgang mit anderen 0 0 X
hat Ausdauer X X 0
hat eine schnelle Auffassungsgabe X X X
weint schnell und häufig XX X 0 +
14
wird manchmal von Mitschülern gehänselt XX XX X
hat Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten 0 X X +
ist einfühlsam und mitfühlend XX XX XX
XX: stimmt genau, X: stimmt teilweise, 0: stimmt nicht
Das abgefragte Persönlichkeitsprofil zeigt deutliche Veränderungen in eine positive Richtung.
Bei einem Vergleich der beiden Erhebungszeitpunkte zeigt sich ein Unterschied in zehn Aspekten
und deutet auf eine positive Entwicklung hin. Darunter sind auch die Aspekte „Zuversichtlichkeit“
und „Selbstvertrauen“.
4.1.3 Selbsteinschätzung durch das Mädchen K1
Insgesamt hat dem Mädchen K1 das Yoga gut gefallen. Einzelne Übungen erschienen ihr aber
schwer. Sie selbst hat vor allem die entspannende Wirkung des Yoga wahrgenommen und
kann dies im Interview auf Nachfrage auch deutlich machen:
„Dann bin ich viel entspannter.“ (K1)
Sie würde noch einmal an einem Yogakurs teilnehmen und nennt als Begründung die positive
Wirkung, die sie für sich gespürt hat:
„Weil das einfach schön ist, und weil man sich dann immer viel entspannter fühlt.“ (K1)
4.2 Kind 2
4.2.1 Ausgangslage
Beschreibung durch die Mutter (M2)
Das Mädchen K2 wird von seiner Mutter (M2) als ein sehr ausgeglichenes, fröhliches und
bewegungsfreudiges Kind beschrieben. Sie hat immer was zu tun, immer Ideen und verabredet
sich viel mit Freunden und Freundinnen aus der Nachbarschaft. Neben der Schule macht
sie noch Kunstturnen und Ballett. Manche Tage sind für M2 dann stressiger als andere, weil
noch das Fahren zu den Freizeitaktivitäten hinzukommt. Das gemeinsame Abendbrot ist für
die Familie sehr wichtig, dann kommen alle zusammen. Nach Einschätzung der Mutter
kommt K2 gut in der Schule zurecht, und ihr macht das Lernen dort Spaß.
Beschreibung durch die Lehrerin (L2)
Aus der Sicht ihrer Lehrerin ist das Mädchen K2 eine sehr aufgeschlossene und ganz pflegeleichte,
tolle Schülerin. Sie ist sehr interessiert, immer lernwillig und gerne bereit, zusätzliche
Sachen zu machen. Mit der Arbeit in spontan zusammengesetzten Gruppen kommt sie gut
zurecht. Ihr Sozialverhalten wird von L2 als sehr empathisch, sehr zugewandt und hilfsbereit
beschrieben. Sie kann sich gut in Konfliktlösungen reinfinden.
15
4.2.2 Beobachtete Verhaltensänderungen
Einschätzung durch die Mutter (M2)
Das Mädchen K2 hat zu Hause viel vom Yoga erzählt, Übungen vorgeführt und die Mutter
zum Mitmachen animiert. Es hat ihr gut gefallen, obwohl sie am Anfang aufgrund von negativen
Erzählungen anderer Kinder nicht daran teilnehmen wollte.
Für die Mutter hat sich das Verhalten von K2 wenig verändert. Sie sieht ihre Tochter als „eigentlich
grundsätzlich ausgeglichen“, aber nicht ruhig. Sie ist nach wie vor sehr lebhaft und
bewegungsfreudig. Zum Lernverhalten kann M2 keine Einschätzung geben. Die Bearbeitung
der Hausaufgaben erfolgt in der OGS. Ein Vergleich vor und nach dem Yogakurs erscheint
schwierig.
Einschätzung durch die Lehrerin (L2)
Nach Einschätzung der Lehrerin war K2 vom Yogakurs ganz begeistert, hat davon erzählt und
Übungen präsentiert. Ihr Lern- und Sozialverhalten erscheint der Lehrerin gleichbleibend gut.
Sie hat „einen superguten Start hingelegt“, und zum Positiven kann sich kaum noch etwas
verändern. Ein wenig hat sie noch an „Selbstbewusstsein“ gewonnen und kann nach Beobachtungen
von L2 in der Auseinandersetzung mit anderen etwas besser sagen, wo ihre Grenzen
sind. Ein Zusammenhang mit dem Yoga wäre eher als spekulativ anzusehen. L2 führt die
kleinen Veränderungen eher auf die Gruppengespräche in der Klasse zurück. Auch im Vergleich
mit den anderen Kindern (K1, K6 und K7) empfindet die Lehrerin keine großen Veränderungen.
Tab. 3: Persönlichkeitsprofil von K2
Persönlichkeitsprofil K2
M2 prä M2 post Lehrer Veränderung
ist sehr aufgeschlossen XX XX XX
hat mehrere Freunde in der Klasse XX XX XX
ist generell beliebt bei seinen Mitschülern XX XX XX
ist in die Klassengemeinschaft integriert XX XX XX
langweilt sich schnell, wenn er/sie allein ist 0 X 0 -
spielt überwiegend phantasievoll XX XX XX
hat eigene Antriebskraft zum Lernen XX XX XX
ist bei den Hausaufgaben fleißig XX XX XX
träumt häufig vor sich hin X 0 0 +
neigt bei Frust/Ärger zu Wutausbrüchen X X 0
ist eher ruhig und ausgeglichen X XX XX +
ist eher schüchtern 0 0 0
kann sich gut auf eine Aufgabe konzentrieren XX XX XX
hat ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden XX XX XX
ist oft streitlustig 0 0 0
hat eine hohe Leistungsbereitschaft X XX XX +
ist meistens kompromissbereit XX XX XX
ist selbstsicher XX XX XX
ist zuversichtlich XX XX XX
16
hat ein positives Bild von sich selbst XX XX XX
ist häufig ängstlich X X 0
stellt sich gern neuen Herausforderungen XX X XX -
ist offen für neue Kontakte X XX XX +
ist hilfsbereit XX XX XX
ist unsicher im Umgang mit anderen XX 0 0 +
hat Ausdauer X XX XX +
hat eine schnelle Auffassungsgabe X XX XX +
weint schnell und häufig 0 0 0
wird manchmal von Mitschülern gehänselt XX 0 0 +
hat Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten X XX XX +
ist einfühlsam und mitfühlend XX XX XX
XX: stimmt genau, X: stimmt teilweise, 0: stimmt nicht
Beim erhobenen Persönlichkeitsprofil von K2 fällt die bessere Bewertung beim zweiten Interview
mit der Mutter ins Auge (post). Einige starke Differenzen erscheinen aber nicht ganz
plausibel und könnten auf Hörfehler beim Interview zurückgehen. Insgesamt wird von der
Mutter eine positive Entwicklung zum Ausdruck gebracht.
4.2.3 Selbsteinschätzung durch das Mädchen K2
K2 hat die Teilnahme am Yoga gut gefallen, und sie würde auch wieder an einem neuen Yogakurs
teilnehmen, weil es ihr Spaß macht.
Sie selbst kann keine großen Wirkungen erkennen nennt aber auf Nachfrage entspannende
Effekte:
„Ich kann ein kleines bisschen besser abends einschlafen.“ (K2)
Ob sie hier gezielt Übungen einsetzt, ist nicht erkennbar. Sie berichtet jedoch im Interview,
dass sie Übungen zu Hause macht, wenn sie im Garten spielt oder auch, wenn ihr langweilig
ist.
4.3 Kind 3
4.3.1 Ausgangslage
Beschreibung durch die Mutter (M3)
Ihre Tochter K3 ist nach Einschätzung der Mutter (M3) ein aufgeschlossenes, sehr wissbegieriges,
immer freundliches und nettes Kind. Sie kann sich ganz gut konzentrieren und ist bei
vielen Kindern beliebt. In ihrer Freizeit macht sie Ballett, lernt Klavier und ist aufgeschlossen
für viele andere Freizeitaktivitäten (z.B. Fußballstadion besuchen). Ein normaler Tag mit
Schule und Freizeit ist daher ziemlich voll gepackt. In der Schule kommt sie aus Sicht von
M3 sehrt gut zurecht und bringt gute Noten mit nach Hause. Beim Lernen ist sie sehr selbstständig
und pflichtbewusst.
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Beschreibung durch den Lehrer (L1)
Aus der Sicht ihres Lehrers arbeit K3 sehr selbstständig, kann ihren Lernstoff selber strukturieren
und denkt und arbeitet auch sehr strukturiert und zuverlässig. Sie ist wissbegierig und
neugierig, wenn es darum geht, hinter Probleme zu kommen. Ihr Sozialverhalten wird von L1
als sehr vermittelnd und problemlösend beschrieben. Sie beteiligt sich gut an den regelmäßigen
Versammlungen, auf der Fragen der Klasse gemeinsam besprochen werden. Sie ist jünger
als die anderen in der vierten Klasse, weil sie ein Schuljahr übersprungen hat.
4.3.2 Beobachtete Verhaltensänderungen
Einschätzung durch die Mutter (M3)
Nach Einschätzung der Mutter gefällt K3 das Yoga „ganz toll“. Sie hat vom Kurs zu Hause
erzählt, Figuren gezeigt und die Mutter zum Mitmachen angeregt. Bei den erkennbaren Verhaltensänderungen
in der Familie betont M3 die entspannende und ausgleichende Wirkung:
„Ja, also ich habe das Gefühl, sie war viel ausgeglichener.“ (M3)
Geschildert wird von M3 eine Episode zum dicht gepackten Schul- und Freizeittag von K3.
Für sie erkennbar war, dass ihre Tochter nach dem Yoga nicht mehr so müde, sonder eher
entspannt von der Schule kam.
„Ja, z.B. dass wir an einem Mittwoch, da hat sie immer Ballett und manchmal gab es so eine
Situation, oder oft eigentlich, dass sie da gar nicht hinwollte. Und eigentlich immer so müde
kam von der Schule und jetzt in der in Zeit gar nicht. Weil ich das Gefühl hatte, sie hatte dann
da schon irgendwie entspannt und kam ganz anders nach Hause.“ (M3)
M3 sieht eine deutliche Verbindung zwischen dem Yoga und den beobachteten Veränderungen
in Richtung Entspannung und Ausgeglichenheit.
„Ja, auf jeden Fall. Das hat ihr sehr gut getan.“ (M3)
Andere Wirkungen auf das Sozial- oder das Lernverhalten hat sie nicht beobachtet.
Einschätzung durch den Lehrer (L1)
Für den Lehrer (L1) erschien K3 am Anfang des Schuljahres etwas ängstlich und hatte
Schwierigkeiten, eine Hürde in Angriff zu nehmen. Dies hat sich aus seiner Sicht deutlich
verändert. Von Misserfolgsängsten ist nicht mehr zu berichten. Nach seiner Einschätzung geht
sie nun alles an und macht alles. Zeitlich fällt die Entwicklung für den Lehrer mit dem Yogakurs
zusammen, aber die Entwicklung von mehr Selbstständigkeit und der Abbau von
Versagensängsten gehört aus seiner Erfahrung auch zu den normalen Entwicklungsschritten
für Schüler der vierten Klasse. Eine Trennung der beiden Prozesse ist schwer. Es könnte sich
auch um normale „Reifungsprozesse“ handeln. Bei den beiden anderen Kindern von L1, die
mit im Yogakurs sind, war eine noch deutlichere Entwicklung zu mehr Selbstbewusstsein zu
erkennen. Hier vermutet L1 noch eine stärker unterstützende Wirkung des Yoga.
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Tab. 4: Persönlichkeitsprofil von K3
Persönlichkeitsprofil K3
M3 prä M3 post Lehrer Veränderung
ist sehr aufgeschlossen XX XX XX
hat mehrere Freunde in der Klasse XX XX XX
ist generell beliebt bei seinen Mitschülern XX XX XX
ist in die Klassengemeinschaft integriert XX XX XX
langweilt sich schnell, wenn er/sie allein ist 0 0 X
spielt überwiegend phantasievoll XX XX XX
hat eigene Antriebskraft zum Lernen XX XX XX
ist bei den Hausaufgaben fleißig XX XX XX
träumt häufig vor sich hin X X 0
neigt bei Frust/Ärger zu Wutausbrüchen 0 0 0
ist eher ruhig und ausgeglichen X 0 XX -
ist eher schüchtern 0 0 0
kann sich gut auf eine Aufgabe konzentrieren XX XX XX
hat ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden XX XX XX
ist oft streitlustig 0 0 0
hat eine hohe Leistungsbereitschaft XX XX XX
ist meistens kompromissbereit XX XX XX
ist selbstsicher XX XX XX
ist zuversichtlich XX XX XX
hat ein positives Bild von sich selbst XX XX XX
ist häufig ängstlich 0 0 0
stellt sich gern neuen Herausforderungen XX XX XX
ist offen für neue Kontakte XX XX XX
ist hilfsbereit XX XX XX
ist unsicher im Umgang mit anderen 0 0 0
hat Ausdauer XX XX XX
hat eine schnelle Auffassungsgabe XX XX XX
weint schnell und häufig 0 0 0
wird manchmal von Mitschülern gehänselt 0 0 0
hat Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten XX XX XX
ist einfühlsam und mitfühlend XX XX XX
XX: stimmt genau, X: stimmt teilweise, 0: stimmt nicht
Auffällig ist die nur geringe Veränderung zwischen den beiden Profilen „prä“ und „post“.
Auch zwischen Eltern- und Lehrereinschätzung gibt es kaum Unterschiede.
4.3.3 Selbsteinschätzung durch das Mädchen K3
K3 hat Spaß am Yoga gehabt, und würde wieder an einem Yogakurs teilnehmen. Bei den
selbst erfahrenen Wirkungen betont sie zum einen die „Entspannung“. Zum anderen sieht sie
einen herausfordernden „Leistungsaspekt“ in den Übungen. Auf Nachfrage gibt sie an:
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„Ja, also ich bin jetzt ruhiger geworden, vorher war das nicht immer so entspannt, und ich
mach auch Yoga und es macht mir auch Spaß und ich üb die ganz oft.“ (K3)
„Ja, mir bringt es Leistung und halt auch, dass ich ruhiger werde.“ (K3)
„Also Leistung, also dass ich es halt besser kann und dass ich auch, weil es ist ja auch sehr
anstrengend, und ich mach ja auch Ballett, und dann bringt es auch für das Ballett was.“
(K3)
Sie sieht eine positive Verbindung zu ihrer Aktivität im Ballett, und sieht möglicherweise
einen Lerneffekt in der Körperbeherrschung. Die entspannende, beruhigende Wirkung ist ihr
aber ebenso wichtig, und an anderer Stelle im Interview wird auch deutlich, dass sie bestimmte
Übungen gezielt zur Entspannung einsetzt. Weil man ruhiger wird und „ein schönes Gefühl
hat“, empfiehlt sie Yoga auch anderen Kindern.
4.4 Kind 4
4.4.1 Ausgangslage
Beschreibung durch die Mutter (M4)
K4 wird von ihrer Mutter als sehr ruhiges, liebes Kind mit gutem Charakter beschrieben. Sie
weint schnell, wenn sie geärgert wird. Sie lacht auch und ist fröhlich. In ihrer Freizeit spielt
sie gern mit ihrer Freundin, fährt gerne Fahrrad und sieht Fernsehen. In der Schule hat sie aus
Sicht der Mutter einige Probleme („nicht so ihr Ding“) und hat keine rechte Lust zum Lernen.
Sie ist ein „Förderkind“ und hat Schwierigkeiten bei der Lernmotivation.
Beschreibung durch den Lehrer (L1)
Das Mädchen K4 ist aus Sicht ihres Lehrers ein lernbehindertes Kind und ist auf dem Stand
einer Zweitklässlerin. Sie erscheint recht ängstlich und fragt bei vielen Handlungen nach, ob
das so richtig ist. Sie ist vom Sozialverhalten her eher zurückgezogen und still. Sie spielt gerne
zusammen mit zwei weiteren lernbehinderten Mädchen aus der Klasse. In der Großgruppe
ist sie gern bereit, Aufgaben zu übernehmen.
4.4.2 Beobachtete Verhaltensänderungen
Einschätzung durch die Mutter (M4)
Das Mädchen K4 hat zu Hause nichts vom Yogakurs erzählt und auch keine Figuren gezeigt.
Für die Mutter ist unklar, ob das Yoga ihrer Tochter gefallen hat.
Veränderungen im Verhalten von K4 hat die Mutter nicht beobachtet.
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Einschätzung durch den Lehrer (L1)
Auffällig für den Lehrer ist, dass das Mädchen K4 mit ihren Freundinnen zusammen Yogaübungen
in den Pausen oder vor dem Unterricht gemacht hat. Sie hat wenig über das Yoga
erzählt, aber durch ihr Verhalten deutlich werden lassen, dass ihr das Yoga gefällt.
„Finde ich faszinierend, wie die Kinder darauf ansprechen und wie gerne sie das machen.
Und bei K4, die eher bewegungsunfreudig gewesen ist… die macht jetzt gerade diese ‚Brücke’
mit ihrer Freundin K5 zusammen. Und was die an Körpergefühl dazu gewonnen hat, das
ist wahrnehmbar. Und das führe ich tatsächlich auf das Yoga zurück.“ (L1, K4)
Der Lehrer L1 sieht einen deutlichen Zugewinn an Körpergefühl bei K4, aber auch beim
Mädchen K5, ihrer Freundin. Bedeutsam erscheint ihm auch, dass die Kinder spontan die Yogaübungen
fortführen und in ihre Schulfreizeit integrieren. Damit verbunden ist die Möglichkeit,
anderen etwas zu zeigen, was man kann. Hier sieht L1 eine starke Verbindung zum Yoga
und zur Stärkung des Selbstbewusstseins.
„Ich glaube ja, durch diese Körpererfahrung, durch diese Körperselbsterfahrung und dadurch,
dass sie etwas kann, was sie anderen zeigen kann. Sonst ist sie immer die, die nichts
hat, was sie irgendwie zeigen kann. Jetzt kann sie eine ‚Brücke’ zeigen oder eine der anderen
Übungen. Sie hat dadurch auch son bisschen Spaß gewonnen. Sie macht es eben gerne, was
auch das Selbstbewusstsein und die Selbstwahrnehmung unterstützt. Also das denke ich
schon, dass das mit dem Yoga zusammenhängt.“ (L1, K4)
Die zunächst im Schuljahr wahrgenommene Unsicherheit von K4 hat abgenommen. Sie wird
durch den Lehrer als „ein bisschen selbstbewusster“ wahrgenommen. Sie hat etwas mehr
Selbstsicherheit und fragt nicht mehr bei jedem Schritt nach. Nach Einschätzung von L1 hat
das Yoga positive körperliche Lernprozesse angeregt und K4 auch in anderen Bereichen mehr
Selbstsicherheit gegeben.
Tab. 5: Persönlichkeitsprofil von K4
Persönlichkeitsprofil K4
M4 prä M4 post Lehrer Veränderung
ist sehr aufgeschlossen XX XX 0
hat mehrere Freunde in der Klasse XX X X -
ist generell beliebt bei seinen Mitschülern XX XX X
ist in die Klassengemeinschaft integriert XX XX XX
langweilt sich schnell, wenn er/sie allein ist XX XX X
spielt überwiegend phantasievoll XX XX X
hat eigene Antriebskraft zum Lernen 0 X XX +
ist bei den Hausaufgaben fleißig X XX X +
träumt häufig vor sich hin XX XX X
neigt bei Frust/Ärger zu Wutausbrüchen 0 XX 0 -
ist eher ruhig und ausgeglichen XX X 0 -
ist eher schüchtern XX XX XX
kann sich gut auf eine Aufgabe konzentrieren 0 XX X +
hat ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden XX XX XX
ist oft streitlustig XX 0 0 +
hat eine hohe Leistungsbereitschaft XX XX X
21
ist meistens kompromissbereit XX XX X
ist selbstsicher 0 X 0 +
ist zuversichtlich XX XX X
hat ein positives Bild von sich selbst XX XX X
ist häufig ängstlich XX X XX +
stellt sich gern neuen Herausforderungen XX XX 0
ist offen für neue Kontakte XX XX X
ist hilfsbereit XX XX XX
ist unsicher im Umgang mit anderen X XX XX -
hat Ausdauer 0 XX X +
hat eine schnelle Auffassungsgabe 0 XX 0 +
weint schnell und häufig XX 0 X +
wird manchmal von Mitschülern gehänselt XX 0 X +
hat Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten XX XX X
ist einfühlsam und mitfühlend XX XX XX
XX: stimmt genau, X: stimmt teilweise, 0: stimmt nicht
Auffällig ist die starke Veränderung des Persönlichkeitsprofils aus der Sicht der Mutter zwischen
dem Kursbeginn (prä) und dem Kursende (post). Unter den Aspekten mit positiver Veränderungstendenz
finden sich auch Selbstsicherheit und geringere Ängstlichkeit.
4.4.3 Selbsteinschätzung durch das Mädchen K4
Dem Mädchen K4 gefällt Yoga gut. Sie findet viele Übungen aber schwer, und meint, dass sie
vieles noch nicht so hinkriegt, wie sie es möchte. Trotzdem würde sie wieder an einem neuen
Yogakurs teilnehmen.
Angesprochen auf die Wirkungen betont sie die körperlichen Lern-Effekte im Sinne einer
besseren Körperbeherrschung und einer größeren Beweglichkeit.
„Dass ich jetzt ein bisschen gelenkiger bin. Vorher war ich das noch nicht. Und dass ich auch
jetzt ein bisschen das kann, aber ich kann das noch nicht so ganz, weil ich da oft immer runterfalle…“
(K4)
4.5 Kind 5
4.5.1 Ausgangslage
Beschreibung durch die Mutter (M5)
K5 ist aus Sicht ihrer Mutter ein temperamentvolles Kind mit gutem Charakter. Sie spielt gern
mit ihrer Freundin. Bei fremden Kindern zeigt sie sich eher verschlossen. Sie spielt viel, fährt
Fahrrad und sucht sich zunehmend selbst Sachen, mit denen sie sich beschäftigen kann. Ihr
liegen bewegungsorientierte Freizeitaktivitäten, neben Radfahren auch Schwimmen und
Wandern. Aufgrund ihrer Lern- und Konzentrationsprobleme bekommt sie regelmäßig Medi22
kamente. Mit dem Lesen und Schreiben hat sie Probleme und müsste für ihr Alter im Lernen
eigentlich weiter sein.
Beschreibung durch den Lehrer (L1)
Für den Lehrer ist das Mädchen K5 ein Kind mit dem Förderschwerpunkt Lernen (lernbehindert).
Sie hat starke Konzentrationsschwierigkeiten und ist auf dem Stand einer „Anfangszweitklässlerin“.
Sie ist wenig selbstständig, und ohne genaue Anleitung weiß sie bei Arbeitspapieren
nicht, was zu tun ist. Sie gerät öfter mal in Streit mit anderen und kann wenig über
ihre eigene Rolle in einer Schülergruppe reflektieren. Sie ist leicht reizbar und vermittelt immer
ein bisschen Unruhe.
4.5.2 Beobachtete Verhaltensänderungen
Einschätzung durch die Mutter (M5)
Dem Mädchen K5 hat nach Einschätzung der Mutter das Yoga gut gefallen. Sie hat vom Kurs
erzählt und Yogafiguren gezeigt.
Eine Veränderung des Verhaltens in der Familie und der Freizeit von K5 hat die Mutter nicht
beobachtet. In der Schule hat es Fortschritte beim Lesen gegeben. Einen Einfluss des Yoga
sieht M5 eher nicht. Sie führt die Fortschritte eher auf die konzentrationsfördernden Medikamente
zurück.
Einschätzung durch den Lehrer (L1)
Der Lehrer L1 vermutet, dass dem Mädchen K5 das Yoga gut gefällt. Als Indiz verweist er
auf die spontanen Yogaübungen. Beim sozialen Verhalten hat er den Eindruck, dass es weniger
Konflikte „um K5 herum“ in den letzten Wochen gegeben hat. Sie kann sich außerdem
etwas mehr konzentrieren. Allerdings ist eine Verbindung zum Yoga schwer nachzuvollziehen,
da sie Medikamente nimmt.
Erkennbar sind für den Lehrer bei K5 wie bei dem Mädchen K4 positive körperliche Effekte
und, in Verbindung damit, positive Ausstrahlungen auf das Selbstbewusstsein.
„Auch da ist es wahrscheinlich wieder das auch von uns als Lehrer festgestellte Selbstbewusstsein
und das körperliche Wahrnehmen. K4 und K5 sind beides Kinder, die sportlich…
also K5 ist noch mehr sportlicher als K4, aber auch fehlt manchmal die Körperspannung.
Das alles scheint jetzt durch Yoga tatsächlich positiv sich entwickelt zu haben. Und auch da
führt natürlich, dass sie was zeigen kann, dazu, dass sie mehr an Selbstbewusstsein gewinnt.
Und auch an Körperspannung, an anderem Auftreten, bisschen anderes Erscheinungsbild,
wenn man sie sich halt so bewegen sieht mit ihren Yoga-Übungen. Hätte ich ihr gar nicht
zugetraut, viele Dinge, so wie ich sie kenne.“ (L1, K5)
In der Gesamtbilanz stellt L1 eine überaus positive Entwicklung fest, die er der eher schwachen
Schülerin nicht zugetraut hätte.
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Tab. 6: Persönlichkeitsprofil von K5
Persönlichkeitsprofil K5
M5 prä M5 post Lehrer Veränderung
ist sehr aufgeschlossen 0 XX X +
hat mehrere Freunde in der Klasse 0 0 X
ist generell beliebt bei seinen Mitschülern XX XX 0
ist in die Klassengemeinschaft integriert XX XX XX
langweilt sich schnell, wenn er/sie allein ist X X XX
spielt überwiegend phantasievoll X 0 0 -
hat eigene Antriebskraft zum Lernen X X 0
ist bei den Hausaufgaben fleißig XX XX 0
träumt häufig vor sich hin 0 0 XX
neigt bei Frust/Ärger zu Wutausbrüchen XX XX X
ist eher ruhig und ausgeglichen X X 0
ist eher schüchtern XX XX 0
kann sich gut auf eine Aufgabe konzentrieren XX X 0 -
hat ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden X 0 X -
ist oft streitlustig XX X X +
hat eine hohe Leistungsbereitschaft XX X 0 -
ist meistens kompromissbereit X X X
ist selbstsicher X 0 0 -
ist zuversichtlich X XX X +
hat ein positives Bild von sich selbst X 0 X -
ist häufig ängstlich 0 0 X
stellt sich gern neuen Herausforderungen XX X 0 -
ist offen für neue Kontakte 0 0 X
ist hilfsbereit XX XX XX
ist unsicher im Umgang mit anderen XX XX XX
hat Ausdauer XX X 0 -
hat eine schnelle Auffassungsgabe X X 0
weint schnell und häufig X 0 0 +
wird manchmal von Mitschülern gehänselt 0 0 XX
hat Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten X X X
ist einfühlsam und mitfühlend X X X
XX: stimmt genau, X: stimmt teilweise, 0: stimmt nicht
Der Vergleich zwischen den beiden Erhebungszeitpunkten zeigt ein sich eher verschlechterndes
Persönlichkeitsprofil aus Sicht der Mutter. Positiv verändert haben sich aber die Aspekte
Zuversicht und Ängstlichkeit.
4.5.3 Selbsteinschätzung durch das Mädchen K5
Dem Mädchen K5 hat das Yoga gut gefallen, und sie würde auch an einem weiteren Yogakurs
auf der weiterführenden Schule teilnehmen. Bei den möglichen Wirkungen betont sie die
körperlichen Effekte (Körperbeherrschung und Entspannung).
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„An der Anfangszone bei Yoga war ich noch so steif, und dann bin ich immer gelenkiger geworden.“
(K5)
„Dass man auch entspannen kann, und dass man nicht so hektische Übungen macht, sondern
so ruhige Übungen macht.“ (K5)
Für sie ist es eine gute Bestätigung ihrer Fähigkeiten, dass sie bestimmte Übungen wie die
Brücke beherrscht und auch beim Interview vorführen kann.
4.6 Kind 6
4.6.1 Ausgangslage
Beschreibung durch die Mutter (M6)
Der Junge K6 wird von seiner Mutter als ziemlich ausgeglichen, ruhig und vernünftig beschrieben.
Er spielt sehr viel und weiß sich selber zu beschäftigen. Er ist fröhlich und positiv
gestimmt. K6 ist eher kreativ und malt viel. Ein sportlicher Junge ist er nicht. Er kann sich gut
konzentrieren, auch im größten Chaos. Er ist gerne mit anderen zusammen, aber er ist kein
Draufgänger. Er ist ein bisschen zurückhaltend, aber doch oft mit anderen zusammen. Durch
seine vernünftige, planende Art macht er fast einen erwachsenen, reifen Eindruck. K6 ist ein
Einzelkind, macht viel mit der Familie zusammen oder spielt mit den Kindern der Nachbarschaft.
Er ist naturinteressiert, spielt viel draußen und auch am Computer. In der Schule
kommt er aus Sicht der Mutter sehr gut zurecht, und er hat eine schnelle Auffassungsgabe. Er
zeigt sich sehr engagiert bei den Themen, die ihn besonders interessieren (Gesundheit, Körper)
und ist pflichtbewusst.
Beschreibung durch die Lehrerin (L2)
Aus Sicht seiner Lehrerin ist K6 ein sehr fleißiger, sehr engagierter Schüler mit großem Allgemeinwissen.
Im ersten Schuljahr ist er als sehr zögerliches und weinerliches Kind gestartet,
hat sich aber in den letzten drei Jahren sehr entwickelt. Er hat an Selbstvertrauen sehr gewonnen
und kann auch zu seinen Unsicherheiten stehen. Im Sozialverhalten ist er sehr hilfsbereit.
Er ist unproblematisch im Kontakt mit anderen, ganz empathisch und nett. Er ist fast nie in
Konflikte (von ihm ausgehend) verwickelt. Er ist im Stillen kontaktfreudig und hat einen sehr
guten Freund in der Klasse, mit dem er viel zusammen macht.
4.6.2 Beobachtete Verhaltensänderungen
Einschätzung durch die Mutter (M6)
Aus Sicht der Mutter hat dem Jungen K6 das Kinderyoga gut gefallen. Er hat vom Kinderyoga
vor allem am Anfang einiges erzählt und vorgemacht.
Verhaltensänderungen wurden von der Mutter nicht beobachtet. Nach ihrer Einschätzung war
K6 auch vor dem Yogakurs schon ein ausgeglichenes Kind. Einen Förderbedarf bei ihrem
Sohn sieht sie hier nicht.
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Einschätzung durch die Lehrerin (L2)
Auch aus Sicht der Lehrerin hat dem Jungen K6 das Yoga gefallen. Er hat sich nur nicht so
enthusiastisch darüber geäußert wie andere Kinder.
Beim Verhalten ist eine leichte Veränderung der Selbstsicherheit zu beobachten. Er kann seinen
Standpunkt in letzter Zeit ruhiger, gelassener, aber auch fester vertreten. Möglicherweise
hat diese Entwicklung auch schon vor den letzten acht Wochen eingesetzt. Eine direkte Verbindung
zum Yoga ist schwer nachzuweisen. Für die Lehrerin erscheint eine unterstützende
Wirkungen des Yoga auf die sich eh vollziehende Entwicklung zu etwas mehr Selbstsicherheit
und weniger zögerlichem Verhalten aber denkbar.
Tab. 7: Persönlichkeitsprofil von K6
Persönlichkeitsprofil K6
M6 prä M6 post Lehrer Veränderung
ist sehr aufgeschlossen XX X XX -
hat mehrere Freunde in der Klasse XX XX X
ist generell beliebt bei seinen Mitschülern XX XX XX
ist in die Klassengemeinschaft integriert XX XX XX
langweilt sich schnell, wenn er/sie allein ist 0 0 0
spielt überwiegend phantasievoll XX XX XX
hat eigene Antriebskraft zum Lernen XX XX XX
ist bei den Hausaufgaben fleißig X XX XX +
träumt häufig vor sich hin 0 0 0
neigt bei Frust/Ärger zu Wutausbrüchen X 0 0 +
ist eher ruhig und ausgeglichen XX XX XX
ist eher schüchtern X 0 X +
kann sich gut auf eine Aufgabe konzentrieren XX XX XX
hat ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden XX XX XX
ist oft streitlustig 0 0 0
hat eine hohe Leistungsbereitschaft X XX XX +
ist meistens kompromissbereit XX XX XX
ist selbstsicher XX XX X
ist zuversichtlich XX XX X
hat ein positives Bild von sich selbst XX XX X
ist häufig ängstlich 0 0 X
stellt sich gern neuen Herausforderungen X XX XX +
ist offen für neue Kontakte XX X X -
ist hilfsbereit XX XX XX
ist unsicher im Umgang mit anderen 0 0 0
hat Ausdauer XX XX XX
hat eine schnelle Auffassungsgabe XX XX XX
weint schnell und häufig X 0 0 +
wird manchmal von Mitschülern gehänselt 0 0 0
hat Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten XX XX X
ist einfühlsam und mitfühlend XX XX XX
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XX: stimmt genau, X: stimmt teilweise, 0: stimmt nicht
Das Persönlichkeitsprofil zeigt eine leicht positive Veränderung zwischen dem ersten und
dem zweiten Interview (prä/post). Beispielsweise werden die Aspekte Schüchternheit und
Ängstlichkeit von der Mutter beim zweiten Interview besser bewertet.
4.6.3 Selbsteinschätzung durch den Jungen K6
Das Yoga hat dem Jungen K6 „eigentlich ganz gut“ gefallen. Er würde „vielleicht“ noch mal
an einem weiteren Yogakurs teilnehmen.
Auf gezielte Nachfrage äußert er sich zu den körperlichen Wirkungen des Yoga. Er erwähnt
den Trainingseffekt für die Muskeln sowie entspannende und zugleich stärkende Wirkungen
im Zusammenhang mit einem langen Schultag.
„Dass ich mich besser fühle, und ich fühle mich auch mit Yoga wacher. Also, dann bin ich
nach der Schule nicht mehr so müde. Weil wenn ich dann jeden Mittwoch Yoga mache, dann
fühl ich mich nicht mehr so müde, weil dann bin ich immer Mittwoch nach den Hausaufgaben,
dann bin ich immer von dem Yoga ganz wach.“ (K6)
Als Problem erscheint K6, dass er durch das zusätzliche Yogaangebot am Mittwoch nur noch
zehn Minuten zum Essen hat und dann gleich in die Hausaufgabenhilfe gehen muss. Trotz
dieser Zunahme an Zeits