Institut für Freizeitwissenschaft und Kulturarbeit e.V.
Kinderyoga an der Grundschule
Pilotstudie zur Evaluation von Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung
Projektbericht
Bearbeitung: Dr. Dieter Brinkmann
Bremen 2008
Inhalt
1 Einleitung
2 Zielsetzung, Gegenstand und Auftraggeber
2.1 Zielsetzung
2.2 Hintergrund und Gegenstand
2.3 Rahmenbedingungen an der Eichendorffschule
3.Methoden der Evaluation
3.1 Untersuchungsdesign
3.2 Fragestellungen
3.3 Datenerhebung und Untersuchungsgruppe
3.4 Kritische Einschätzung der Methodik
3.5 Darstellung im Bericht
4 Fallanalysen zum Kinderyoga
4.1 Kind 1
4.1.1 Ausgangslage
4.1.2 Beobachtete Verhaltensänderungen
4.1.3 Selbsteinschätzung durch das Mädchen K1
4.2 Kind 2
4.2.1 Ausgangslage
4.2.2 Beobachtete Verhaltensänderungen
4.2.3 Selbsteinschätzung durch das Mädchen K2
4.3 Kind 3
4.3.1 Ausgangslage
4.3.2 Beobachtete Verhaltensänderungen
4.3.3 Selbsteinschätzung durch das Mädchen K3
4.4 Kind 4
4.4.1 Ausgangslage
4.4.2 Beobachtete Verhaltensänderungen
4.4.3 Selbsteinschätzung durch das Mädchen K4
4.5 Kind 5
4.5.1 Ausgangslage
4.5.2 Beobachtete Verhaltensänderungen
4.5.3 Selbsteinschätzung durch das Mädchen K5
4.6 Kind 6
4.6.1 Ausgangslage
4.6.2 Beobachtete Verhaltensänderungen
4.6.3 Selbsteinschätzung durch den Jungen K6
4.7 Kind 7
4.7.1 Ausgangslage
4.7.2 Beobachtete Verhaltensänderungen
4.7.3 Selbsteinschätzung durch das Mädchen K7
5 Fallübergreifende Interpretation
5.1 Akzeptanz des Yogaangebots
5.1.1 Kinder
5.1.2 Eltern
5.1.3 Lehrer
5.2 Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung
5.2.1 Erinnerung der Kinder
5.2.2 Bereiche der Entwicklung
5.2.3 Matrix zu Verhaltensänderungen
5.2.4 Intervenierende Faktoren
5.2.5 Überlegungen zu möglichen Kontrollgruppen
5.2.6 Vergleich mit den Ergebnissen des zweiten Kursdurchlaufs
6 Fazit
7 Quellen
8 Anhang
1 Einleitung
Die Kinder zu stärken, war das zentrale Anliegen des Projekts „Gesunde Schule” an der Eichendorffschule in Bielefeld. Es fällt in eine Zeit, in der mehr denn je über angemessene Bildungskonzeptet gerungen wird und die Erwartungen an die Schule, Probleme in anderen Lebensbereichen aufzufangen, steigen.
Neue Wege zu gehen, ist daher gefordert. Die Eichendorffschule hat in Zusammenarbeit mit den Yogatrainern von PraeVita Bielefeld in diesem Sinne ein Pilotprojekt zur Integration von Yogakursen in das Angebot der Offenen Ganztagsschule gestartet. Die Teilnahme an einem solchen Kurs des Kinderyoga erscheint als eine gute Möglichkeit, mit den Belastungen im Alltag präventiv umzugehen.
Die vorliegende Studie dokumentiert die Ergebnisse der Begleitforschung zum Projekt „Kinderyoga an der Grundschule” und befasst sich mit den Auswirkungen des Yogaangebots auf die Persönlichkeitsentwicklung der Grundschüler. Die Ergebnisse der begleitenden Untersuchung auf der Basis von Gesprächen mit den Kindern, ihren Müttern und den jeweiligen Klassenlehrern verweisen auf die Chancen, über das Yoga das Selbstvertrauen der Kinder zu stärken und zu einer anderen Körperwahrnehmung beizutragen.
Die Akzeptanz für das Kinderyoga in der Grundschule ist hoch, bei Schülern, Eltern und Lehrern. Die befragten Kinder haben ganz überwiegend sehr viel Freude an den Übungen, die Eltern stehen dem Yoga positiv gegenüber, und die Lehrer sehen förderliche Auswirkungen auf das Verhalten der Kinder im Unterricht. „Mehr Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten” erscheint als eine Metapher für den Beitrag des Kinderyoga, der auch in andere Lernbereiche der Kinder mit hineingenommen werden kann. Im Projektbericht wird diese Einschätzung durch sieben Fallanalysen und eine überübergreifende systematische Betrachtung von Wirkungsbereichen gestützt und dokumentiert.
Alles spricht für eine Fortführung des Kinderyoga-Programms an der Eichendorffschule, um über einen längeren Zeitraum Erfahrungen mit den Wechselwirkungen zwischen körperlichen Übungen und der geistigen und seelischen Entwicklung der Kinder zu sammeln. Die Ergebnisse der qualitativen Begleitforschung können dazu genutzt werden, die persönlichkeitsfördernde Wirkung des Yoga im Kontext der Grundschule noch genauer zu untersuchen. Angebote zwischen Freizeit und Schule gewinnen heute möglicherweise einen höheren Stellenwert für eine stabile Entwicklung von Kindern. Ihre Wechselwirkungen mit anderen Lebensbereichen im Sinne qualitativer sozialwissenschaftlicher Ansätze zu rekonstruieren und durch Praxisprojekte zu erkunden, erscheint als lohnende Aufgabe.
Für die Mitwirkung an der Untersuchung danken wir den beteiligten Kinder, ihren Müttern und den Lehrern der Eichendorffschule. Besonderer Dank für die Unterstützung bei der Umsetzung gilt Frau Beate Breunig von der OGS.
Bremen im August 2008
Dr. Dieter Brinkmann
2 Zielsetzung, Gegenstand und Auftraggeber
2.1 Zielsetzung
Ziel des Evaluationsprojekts „Kinderyoga an der Grundschule” war es, die möglichen Auswirkungen eines zeitlich begrenzten und kindgerecht gestalteten Yoga-Angebots auf die Persönlichkeitsentwicklung zu dokumentieren und zu analysieren. Vermutet wurden positive Wirkungen im Sinne einer ganzheitlichen Persönlichkeitsentwicklung (Geist, Seele, Körper). Im Mittelpunkt standen dabei die Selbstwahrnehmungen der Kinder sowie die Beobachtungen von Eltern und Lehrern zur Entwicklung der Kinder im Zusammenhang mit den YogaÜbungen.
Das Projekt wurde als eine qualitative Pilotstudie mit unterschiedlichen Perspektiven (Kinder, Eltern, Lehrer) angelegt und sollte grundlegende Kategorien für eine Begleitforschung auf quantitativer Basis mit einer größeren Stichprobe herausarbeiten und Hinweise auf mögliche Schwerpunkte der persönlichkeitsfördernden Wirkungen geben.
2.2 Hintergrund und Gegenstand
Im Rahmen des Projekts „Gesunde Schule” an der Bielefelder Eichendorffschule hat die Firma PraeVita über ein Jahr Yogaunterricht für Grundschulkinder angeboten. In der Zeit von Oktober 2007 bis Juni 2008 wurden nacheinander drei Kurse mit je 15 Plätzen für die Kinder der Offenen Ganztagsschule (OGS) angeboten.
Grundlage für die Kinderyoga-Kurse ist ein von Wolfgang Richter und Stephanie Peczynsky (PraeVita OWL) entwickeltes Konzept. Die Grundfiguren des Yoga werden in selbst entwickelte Geschichten in Form von Pflanzen- und Tierdarstellungen der kindlichen Vorstellungswelt entsprechend eingebaut. Die Geschichten geben eine kindgerechte Motivation für die angestrebte Körperhaltung und den Ablauf von Bewegungen (Samenkorn, Vogel, Katze, Gänseblümchen).
Für jede Figur gibt es ein Script mit der Rahmengeschichte zu den jeweiligen Bewegungsabläufen. Beispiele für die Figuren sind der Vogel oder die Entwicklung des Samenkorns zur Pflanze. Angestrebt werden bestimmte Sinnbilder, die durch die Körperhaltungen zum Ausdruck gebracht werden. Von diesen Sinnbildern (z.B. frei, leicht wie ein Vogel) gehen, so die Vermutung der Anbieter, objektive, schöpferische Wirkungen aus, die über die rein körperlichen Effekte hinausreichen und eine ganzheitliche Entwicklung der Persönlichkeit anregen.
Neben der besseren Akzeptanz der Yoga-Übungen bei den Kindern durch ein Verpacken in Geschichten erwarten die Betreiber eine indirekte Aufnahme und Verinnerlichung der in den Scripten enthaltenen ethischen Botschaften. Jede Figur bzw. Geschichte soll bestimmte menschliche Tugenden zum Ausdruck bringen. Die Vorstellungen beziehen sich zum Beispiel auf Aspekte wie Offenheit, Freiheit, Feinsinnigkeit. In Figuren mit Partnerübungen wird auf das Miteinander sehr viel Wert gelegt, und ein Wettkampf wird vermieden. Kooperation und soziales Verhalten werden als Sinnbild erlebbar gemacht.
Angenommen wird, dass die Einübung und regelmäßige Wiederholung dieser Tugendbotschaften zusammen mit den entsprechenden Körperhaltungen persönlichkeitsbildend wirkt. Nach Vermutung der Anbieter wird dieses Verinnerlichen verstärkt durch eine „lobende Grundhaltung” des Trainers. Nicht die Erreichung einer perfekten Figur wird durch Lob bzw. Kritik vorangetrieben, sondern, es werden das Bemühungen und eine innere Haltung der Kinder durch Lob verstärkt. In dieser Hinsicht, ist die Lehrer-Schüler-Beziehung sehr bedeutend.
Insgesamt wird erwartet, dass durch die Summe der verschiedenen Übungen und Tugendbotschaften eine positive Persönlichkeitsentwicklung bei den Kindern angeregt wird. Sie müsste sich in Merkmalen wie Ausgeglichenheit, Freundlichkeit, Friedfertigkeit, Hilfsbereitschaft, Einfühlungsvermögen, Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein zeigen. Ein prosoziales Verhalten und ein Rückgang von aggressiven, konfliktorientierten Verhaltensweisen müssten ebenso damit einhergehen. Eine genauere Darstellung der Grundlagen des Kinderyoga enthält die Diplomarbeit von Schulenburg (2008, S. 35 ff.).
2.3 Auftraggeber und Projektpartner
Auftraggeber für das Projekt ist die PraeVita OWL GbR. Eine finanzielle Förderung der Begleitforschung erfolgt über das „Haus Yoga Vidya” in Bad Meinberg. Kooperationspartner bei der Umsetzung ist die Grundschule Eichendorffschule in Bielefeld.
2.4 Rahmenbedingungen an der Eichendorffschule
Das Yogaangebot war ein Teil des Angebots der Offenen Ganztagsschule (OGS). Im Anschluss an die Mittagspause werden in diesem Rahmen Hausaufgabenbetreuung, Arbeitsgemeinschaften und verschieden Aktivitäten angeboten. Das Yoga war ein Pflichtprogramm für die OGS-Kinder des zweiten bis vierten Schuljahres.
Seitenanfang3 Methoden der Evaluation
3.1 Untersuchungsdesign
Die Studie wurde als eine qualitative Pilotstudie mit 15 Kindern angelegt. Vorgesehen war die Begleitung des letzten von drei Yogakursen an der Eichendorffschule in Bielefeld (2.4. bis 25.6.2008). Die Studie stützt sich auf Interviews mit den Kindern, ihren Eltern und den jeweiligen Klassenlehrern.
Sample
In die Untersuchung sollten alle 15 Kinder des Kinderyogakurses an der Grundschule einbezogen werden. Die Eltern wurden um ihr Einverständnis zu dieser Begleitforschung gebeten. Die zweite Gruppe umfasste die Eltern der Kinder. Hier war eine Befragung der 15 Mütter (falls möglich) oder der Väter vorgesehen. Die dritte Gruppe stellten wichtige Lehrer der Kinder dar (Klassenlehrerin, Klassenlehrer). Ziel war es, zu jedem Kind mindestens eine Lehrereinschätzung zu bekommen
Abb. 1: Systemische Darstellung des Untersuchungsgegenstandes
Die Abb. 1 zeigt die in einer systemischen Darstellung die Beteiligten am Projekt. Zentraler Bezugspunkt ist der Kurs „Kinderyoga” mit seinen Botschaften, Übungen und den Trainern. Der Rahmen für das Projekt wurde durch die Offene Ganztagsschule gebildet. Zu den damit verbundenen Randbedingungen gehörte eine verpflichtende Teilnahme der Kinder am Yogakurs. Aus dem Kursgeschehen ergaben sich zwei günstige Zeitpunkte für die Begleituntersuchung (T1, T2) zu Beginn und zum Ende des Kurses. Die Pfeile im Modell deuten die Reflexionsmöglichkeiten der Beteiligten an.
Interviewzeitpunkt für die Kinderinterviews
Die beteiligten Kinder sollten am Ende des Kurses zu möglichen Auswirkungen des Kinderyoga-Angebots auf ihr Agieren in den Lebenswelten Schule, Familie und Freizeit befragt werden. Sie sollten sich zu Selbstbeobachtungen äußern und die Bedeutung des Yogakurses einschätzen.
Interviewzeitpunkte für die Elterninterviews
Etwa zeitgleich mit dem Beginn des Kurses sollten die Eltern der Kinder in einem ersten Interview zur Persönlichkeitsentwicklung ihrer Kinder befragt werden. Sie sollten bestimmte Persönlichkeitsmerkmale einschätzen und über die soziale Integration der Kinder in die Lebenswelten Freizeit und Schule berichten.
In einer zweiten Interviewwelle am Ende des Kurses sollten die Eltern die möglichen Veränderungen im Verhalten der Kinder einschätzen und Vergleiche zur Situation vor dem Yogakurs ziehen. Gesprächsschwerpunkt war wie beim ersten Interview die Persönlichkeitsentwicklung und soziale Integration in die Lebenswelten Schule und Freizeit.
Interviewzeitpunkt für die Lehrerinterviews
Die Gespräche mit den jeweiligen Klassenlehrern der Grundschüler sollten am Ende des Yogakurses geführt werden. Angestrebte Schwerpunkte waren hier die Beobachtungen der Lehrer zur Persönlichkeitsentwicklung der Kinder sowie die möglichen Auswirkungen des Yogakurses auf das Lernverhalten und die soziale Integration in die Lebenswelt Schule.
Prä/Post-Interviews
Aufgrund der begrenzten Kapazitäten des Projekts war nur eine Interviewwelle mit den Lehrern vorgesehen. Die Lehrer sollten daher im jeweiligen Gespräch mögliche Vergleiche (vorund nach dem Yoga-Kurs) ziehen und die Veränderungen im Verhalten des Kindes einschätzen.
3.2 Fragestellungen
Im Mittelpunkt des Evaluationsprojekts standen folgende Fragestellungen:
3.3 Datenerhebung und Untersuchungsgruppe
Im Rahmen einer Diplomarbeit and der Hochschule Bremen im Studiengang Angewandte Freizeitwissenschaft konnte das Untersuchungsdesign und das praktische Vorgehen bei der Datenerhebung erprobt werden (vgl. Schulenburg 2008). Die Ergebnisse dieser Arbeit beziehen sich auf den zweiten Yogakurs an der Eichendorffschule und basieren auf sechs untersuchten Kindern. Die von Katja Schulenburg unternommene qualitative Analyse liefert ebenfalls erste Einschätzungen zu den Wirkungen des Yogaangebots auf die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder. Auf die in diesem Zusammenhang gewonnenen Kategorien wird im Abschnitt 5 des Berichts näher eingegangen.
3.4 Datenerhebung und Untersuchungsgruppe
Die Datenerhebung für das Evaluationsprojekt erfolgte wie geplant. Eine Übersicht über das Angebot und verschiedene Teile der Begleitforschung zeigt die Abb. 2.
Abb. 2: Gesamtprojekt Kinderyoga und Begleitung einzelner Kurse
Insgesamt konnten in die Untersuchung sieben von zwölf Kindern des dritten Kurses an der Eichendorffschule einbezogen werden. Die meisten Kinder sind in der dritten und vierten Klasse. Ein Kind besucht die erste Klasse. Das Alter liegt zwischen sieben und neun Jahren. Unter den befragten Teilnehmern ist nur ein Junge, die übrigen sind Mädchen.
Ein Teil der angefragten Eltern konnte nicht für eine Beteiligung an der Untersuchung gewonnen werden. Zwei Eltern gaben keine Einwilligung. Zu drei Familien, davon zwei mit Migrationshintergrund, konnte trotz intensiver Bemühungen (über die OGS und per Telefon) kein Kontakt hergestellt werden.
Tab.1: Kinder der Untersuchungsgruppe
| Kind | Geschlecht | Klasse |
|---|---|---|
| K1 | weiblich | 1 |
| K2 | weiblich | 2 |
| K3 | weiblich | 4 |
| K4 | weiblich | 4 |
| K5 | weiblich | 4 |
| K6 | männlich | 3 |
| K7 | weiblich | 3 |
Frageleitfaden als Grundlage
Grundlage für die Interviews mit den Kinder, Müttern und Lehrern war jeweils ein Frageleitfaden mit wenigen offenen Fragen. Die verschiedenen Varianten für die einzelnen Beteiligten sind im Anhang dokumentiert. Integriert in den Leitfaden für Eltern und Lehrer war eine standardisierte Frage mit 31 Aspekten zu Persönlichkeitsmerkmalen der Kinder. Daraus wurden „Persönlichkeitsprofile” für einen Prä/post-Vergleich erstellt.
Persönliche und telefonische Interviews
Mit den Kindern und den beteiligten beiden Lehrern wurden persönliche Interviews vor Ort in der Eichendorffschule durchgeführt. Die Gespräche wurden elektronisch aufgezeichnet, transkribiert und anschließend mit Computerunterstützung analysiert.
Mit den Müttern der Kinder wurden jeweils zwei telefonische Interviews durchgeführt, eines am Anfang des Kurses und ein zweites nach Kursende.
3.5 Kritische Einschätzung der Methodik
Die qualitativen persönlichen Interviews mit den Kindern und den Lehrern erbrachten eine gute Datengrundlage für die Begleitforschung. Und die erste telefonische Interviewrunde mit den Müttern ermöglichte eine gute Dokumentation der Ausgangslage. Die zweite Interviewrunde mit den Müttern der beteiligten Kinder war wider erwarten nicht ganz so ergiebig. Dies mag mit der Interviewsituation zusammenhängen (zweites Telefoninterview, anstehende Ferienzeit). Es kann aber auch angenommen werden, dass durch den Ganztagsunterricht bestimmte Verhaltensbereiche der Kinder nicht mehr so im Blick der Eltern sind. Dies zeigt sich zum Beispiel bei den Schwierigkeiten, das Lernverhalten der Kinder einzuschätzen.
3.6 Darstellung im Bericht
Der Projektbericht umfasst zwei große Ergebnisteile. Im ersten Teil werden Fallanalysen zu den beteiligten sieben Kindern unternommen. Bei jedem Kind wird zunächst die Ausgangsla11 ge dargestellt. Basis hierfür sind die Berichte der Mütter und der Lehrer. Daran anschließend werden Einschätzungen zu beobachteten Veränderungen dokumentiert. Diese basieren ebenfalls auf den Interviews mit den Müttern und den Klassenlehrern.
Der zweite Teil des Projektberichts enthält fallübergreifende Interpretationen. Hierbei wird versucht, systematisch einzelne Bereiche der persönlichkeitsrelevanten Effekte des Kinderyoga herauszuarbeiten.
Um die Anonymität der Beteiligten zumindest hinreichend zu wahren, werden für die Interviewpartner einheitlich gebildete Kodierungen verwendet: K1 bis K7 für die Kinder und M1 bis M7 bei den Müttern sowie L1 und L2 für die Lehrer. Bei Müttern und Kindern ist über die Ziffer eine jeweilige Zuordnung möglich. Bei den beiden Lehrern erfolgte eine willkürliche Vergabe von Kürzeln.
Seitenanfang4 Fallanalysen zum Kinderyoga
4.1 Kind 1
4.1.1 Ausgangslage
Beschreibung durch die Mutter (M1)
Das Mädchen K1 wird von seiner Mutter als ein lebhaftes Kind beschrieben. Es erscheint kindlich, spielt gern, ist sehr offen, fröhlich und sehr eigen. K1 wird als etwas verträumt in ihrer Welt wahrgenommen und ist in ihrer Entwicklung ein bisschen zurück. Sie hat etwas Probleme, sich selbst zu strukturieren und hat etwas Schwierigkeiten in der Schule bei den offenen Unterrichtskonzepten, die selbst organisiertes Lernen erfordern. Die Konzentrationsfähigkeit erscheint der Mutter noch nicht so gut wie bei anderen Kindern. In der Freizeit beschäftigt sie sich mit Singen und Tanzen, spielt im großen Garten der Familie und hat eine beste Freundin aus den Zeiten des Kindergartens, mit der sie viel unternimmt. Der Mittwoch, an dem das Yoga angeboten wird, ist für sie ein langer Tag in der Schule.
Beschreibung durch die Lehrerin (L2)
Ihre Lehrerin beschreibt das Mädchen K1 als ein Erstklässlermädchen mit Schwierigkeiten, sich in den jahrgangsübergreifenden Unterricht einzufinden1. Sie hat Probleme, ihre Arbeitsabläufe selbst zu strukturieren. Sie ist schnell abgelenkt und wenig zielstrebig, wenn ihr die Aufgaben nicht ganz zusagen. Andererseits kann sie auch fleißig arbeiten und gut vorankommen, wenn ihr die Aufgaben Spaß machen. Der Sprachenbereich liegt ihr eher, und sie kann gut Geschichten schreiben. Trotzdem wird sie im nächsten Jahr Teile des ersten Schuljahres wiederholen müssen. Aufgrund ihres Alters hat sie in der Jahrgangsgruppe Probleme Anschluss zu finden. Nach Einschätzung der Lehrerin steht sie etwas „auf verlorenem Posten” was die sozialen Kontakte angeht. Das soziale Miteinander ist nicht immer unproblematisch, und sie bekommt auch negative Stimmungen von den anderen zu spüren.
4.1.2 Beobachtete Verhaltensänderungen
Einschätzung durch die Mutter (M1)
Nach Einschätzung der Mutter gefiel K1 das Yoga gut und auch die Einbindung der Übungen in Geschichten. Sie hat nicht an allen Terminen teilgenommen, und M1 könnte sich vorstellen, dass bei einem Yogakurs in der Freizeit, der von den Eltern begleitet wird, noch andere Wahrnehmungen möglich gewesen wären.
Allgemein hat M1 die Einschätzung, dass das Kinderyoga K1 „ausgeglichener” gemacht hat. Sie bezieht diese Beobachtung auf das „Abholen” von K1 nach der Schule gegen 14.00 Uhr und vergleicht Tage mit und ohne Yoga.
„Wenn sie davor Yoga gehabt hat, war sie schon ausgeglichener. Das hat ihr schon gut getan.” (M1-post)
1 In der Eichendorffschule werden die Klassen 1 bis 3 in jahrgangsgemischten Gruppen unter Einbeziehung von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf unterrichtet. Weitere Verhaltensänderungen in der Familie, der Freizeit oder bezogen auf das Lernen können von M1 nicht benannt werden.
Einschätzung durch die Lehrerin (L2)
Die Lehrerin von K1 kann nicht so richtig einschätzen, ob ihr das Yoga gefällt. Sie äußert sich nicht so stark dazu. Die Veränderungen im Lern- und Sozialverhalten von K1 sieht ihre Lehrerin in „Wellenbewegungen” Es gab im Laufe des Schuljahres Verbesserungsphasen und auch wieder Tiefs. Stärkere Streitereien hat sie in letzter Zeit nicht mitbekommen.
Leichte Veränderungen beobachtet L2 beim Selbstvertrauen von K1. Sie stellt fest, dass „sie im Laufe des Schuljahres mehr Zutrauen in ihre eigenen Fähigkeiten hat” (L2). An einige Themenstellungen wagt sie sich nun eher heran. Auch im Vergleich mit den drei anderen von L2 unterrichteten Kindern (K2, K6, K7) erscheint der Lehrerin eine Entwicklung zu „mehr Selbstbewusstsein” beobachtbar. Diese Entwicklung, so ihre Vermutung könnte durch das Yoga mit unterstützt worden sein.
Tab. 2: Persönlichkeitsprofil von K1
| Persönlichkeitsprofil K1 | M1 prä | M1 post | Lehrer | Veränderung |
|---|---|---|---|---|
| ist sehr aufgeschlossen | xx | xx | x | |
| hat mehrere Freunde in der Klasse | x | x | 0 | |
| ist generell beliebt bei seinen Mitschülern | x | 0 | x | - |
| ist in die Klassengemeinschaft integriert | 0 | x | x | + |
| langweilt sich schnell, wenn er/sie allein ist | 0 | 0 | 0 | |
| spielt überwiegend phantasievoll | xx | xx | xx | |
| hat eigene Antriebskraft zum Lernen | x | xx | x | + |
| ist bei den Hausaufgaben fleißig | x | xx | 0 | + |
| träumt häufig vor sich hin | xx | x | xx | + |
| neigt bei Frust/Ärger zu Wutausbrüchen | xx | x | x | + |
| ist eher ruhig und ausgeglichen | 0 | 0 | x | |
| ist eher schüchtern | 0 | 0 | x | |
| kann sich gut auf eine Aufgabe konzentrieren | x | x | 0 | |
| hat ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden | 0 | x | x | + |
| ist oft streitlustig | x | x | x | |
| hat eine hohe Leistungsbereitschaft | x | x | 0 | |
| ist meistens kompromissbereit | 0 | 0 | x | |
| ist selbstsicher | 0 | x | x | + |
| ist zuversichtlich | x | x | 0 | |
| hat ein positives Bild von sich selbst | 0 | x | 0 | + |
| ist häufig ängstlich | 0 | 0 | x | |
| stellt sich gern neuen Herausforderungen | x | x | x | |
| ist offen für neue Kontakte | xx | xx | xx | |
| ist hilfsbereit | xx | xx | xx | |
| ist unsicher im Umgang mit anderen | 0 | 0 | x | |
| hat Ausdauer | x | x | 0 | |
| hat eine schnelle Auffassungsgabe | x | x | x | |
| weint schnell und häufig | xx | x | 0 | + |
| wird manchmal von Mitschülern gehänselt | xx | xx | x | |
| hat Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten | 0 | x | x | + |
| ist einfühlsam und mitfühlend | xx | xx | xx |
XX: stimmt genau, X: stimmt teilweise, 0: stimmt nicht
Das abgefragte Persönlichkeitsprofil zeigt deutliche Veränderungen in eine positive Richtung.Bei einem Vergleich der beiden Erhebungszeitpunkte zeigt sich ein Unterschied in zehn Aspekten und deutet auf eine positive Entwicklung hin. Darunter sind auch die Aspekte „Zuversichtlichkeit” und „Selbstvertrauen”.
4.1.3 Selbsteinschätzung durch das Mädchen K1
Insgesamt hat dem Mädchen K1 das Yoga gut gefallen. Einzelne Übungen erschienen ihr aber schwer. Sie selbst hat vor allem die entspannende Wirkung des Yoga wahrgenommen und kann dies im Interview auf Nachfrage auch deutlich machen:
„Dann bin ich viel entspannter.”
(K1) Sie würde noch einmal an einem Yogakurs teilnehmen und nennt als Begründung die positive Wirkung, die sie für sich gespürt hat:
„Weil das einfach schön ist, und weil man sich dann immer viel entspannter fühlt.” (K1)
Seitenanfang4.2 Kind 2
4.2.1 Ausgangslage
Beschreibung durch die Mutter (M2)
Das Mädchen K2 wird von seiner Mutter (M2) als ein sehr ausgeglichenes, fröhliches und bewegungsfreudiges Kind beschrieben. Sie hat immer was zu tun, immer Ideen und verabredet sich viel mit Freunden und Freundinnen aus der Nachbarschaft. Neben der Schule macht sie noch Kunstturnen und Ballett. Manche Tage sind für M2 dann stressiger als andere, weil noch das Fahren zu den Freizeitaktivitäten hinzukommt. Das gemeinsame Abendbrot ist für die Familie sehr wichtig, dann kommen alle zusammen. Nach Einschätzung der Mutter kommt K2 gut in der Schule zurecht, und ihr macht das Lernen dort Spaß.
Beschreibung durch die Lehrerin (L2)
Aus der Sicht ihrer Lehrerin ist das Mädchen K2 eine sehr aufgeschlossene und ganz pflegeleichte, tolle Schülerin. Sie ist sehr interessiert, immer lernwillig und gerne bereit, zusätzliche Sachen zu machen. Mit der Arbeit in spontan zusammengesetzten Gruppen kommt sie gut zurecht. Ihr Sozialverhalten wird von L2 als sehr empathisch, sehr zugewandt und hilfsbereit beschrieben. Sie kann sich gut in Konfliktlösungen reinfinden.
4.2.2 Beobachtete Verhaltensänderungen
Einschätzung durch die Mutter (M2)
Das Mädchen K2 hat zu Hause viel vom Yoga erzählt, Übungen vorgeführt und die Mutter zum Mitmachen animiert. Es hat ihr gut gefallen, obwohl sie am Anfang aufgrund von negativen Erzählungen anderer Kinder nicht daran teilnehmen wollte.
Für die Mutter hat sich das Verhalten von K2 wenig verändert. Sie sieht ihre Tochter als „eigentlich grundsätzlich ausgeglichen”, aber nicht ruhig. Sie ist nach wie vor sehr lebhaft und bewegungsfreudig. Zum Lernverhalten kann M2 keine Einschätzung geben. Die Bearbeitung der Hausaufgaben erfolgt in der OGS. Ein Vergleich vor und nach dem Yogakurs erscheint schwierig.
Einschätzung durch die Lehrerin (L2)
Nach Einschätzung der Lehrerin war K2 vom Yogakurs ganz begeistert, hat davon erzählt und Übungen präsentiert. Ihr Lern- und Sozialverhalten erscheint der Lehrerin gleichbleibend gut. Sie hat „einen superguten Start hingelegt”, und zum Positiven kann sich kaum noch etwas verändern. Ein wenig hat sie noch an „Selbstbewusstsein” gewonnen und kann nach Beobachtungen von L2 in der Auseinandersetzung mit anderen etwas besser sagen, wo ihre Grenzen sind. Ein Zusammenhang mit dem Yoga wäre eher als spekulativ anzusehen. L2 führt die kleinen Veränderungen eher auf die Gruppengespräche in der Klasse zurück. Auch im Vergleich mit den anderen Kindern (K1, K6 und K7) empfindet die Lehrerin keine großen Veränderungen.
Tab. 3: Persönlichkeitsprofil von K2
| Persönlichkeitsprofil K2 | M1 prä | M1 post | Lehrer | Veränderung |
|---|---|---|---|---|
| ist sehr aufgeschlossen | xx | xx | xx | |
| hat mehrere Freunde in der Klasse | xx | xx | xx | |
| ist generell beliebt bei seinen Mitschülern | xx | xx | xx | |
| ist in die Klassengemeinschaft integriert | xx | xx | xx | |
| langweilt sich schnell, wenn er/sie allein ist | 0 | x | 0 | - |
| spielt überwiegend phantasievoll | xx | xx | xx | |
| hat eigene Antriebskraft zum Lernen | xx | xx | xx | |
| ist bei den Hausaufgaben fleißig | xx | xx | xx | |
| träumt häufig vor sich hin | x | 0 | 0 | + |
| neigt bei Frust/Ärger zu Wutausbrüchen | x | x | 0 | |
| ist eher ruhig und ausgeglichen | x | xx | xx | + |
| ist eher schüchtern | 0 | 0 | 0 | |
| kann sich gut auf eine Aufgabe konzentrieren | xx | xx | xx | |
| hat ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden | xx | xx | xx | |
| ist oft streitlustig | 0 | 0 | 0 | |
| hat eine hohe Leistungsbereitschaft | x | xx | xx | + |
| ist meistens kompromissbereit | xx | xx | xx | |
| ist selbstsicher | xx | xx | xx | |
| ist zuversichtlich | xx | xx | xx | |
| hat ein positives Bild von sich selbst | xx | xx | xx | |
| ist häufig ängstlich | x | x | 0 | |
| stellt sich gern neuen Herausforderungen | xx | x | xx | - |
| ist offen für neue Kontakte | x | xx | xx | + |
| ist hilfsbereit | xx | xx | xx | |
| ist unsicher im Umgang mit anderen | xx | 0 | 0 | + |
| hat Ausdauer | x | xx | xx | + |
| hat eine schnelle Auffassungsgabe | x | xx | xx | + |
| weint schnell und häufig | 0 | 0 | 0 | |
| wird manchmal von Mitschülern gehänselt | xx | 0 | 0 | + |
| hat Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten | x | xx | xx | + |
| ist einfühlsam und mitfühlend | xx | xx | xx |
XX: stimmt genau, X: stimmt teilweise, 0: stimmt nicht
Beim erhobenen Persönlichkeitsprofil von K2 fällt die bessere Bewertung beim zweiten Interview mit der Mutter ins Auge (post). Einige starke Differenzen erscheinen aber nicht ganz plausibel und könnten auf Hörfehler beim Interview zurückgehen. Insgesamt wird von der Mutter eine positive Entwicklung zum Ausdruck gebracht.
4.2.3 Selbsteinschätzung durch das Mädchen K2
K2 hat die Teilnahme am Yoga gut gefallen, und sie würde auch wieder an einem neuen Yogakurs teilnehmen, weil es ihr Spaß macht. Sie selbst kann keine großen Wirkungen erkennen nennt aber auf Nachfrage entspannende Effekte:
„Ich kann ein kleines bisschen besser abends einschlafen.” (K2)
Ob sie hier gezielt Übungen einsetzt, ist nicht erkennbar. Sie berichtet jedoch im Interview, dass sie Übungen zu Hause macht, wenn sie im Garten spielt oder auch, wenn ihr langweilig ist.
Seitenanfang4.3 Kind 3
4.3.1 Ausgangslage
Beschreibung durch die Mutter (M3)
Ihre Tochter K3 ist nach Einschätzung der Mutter (M3) ein aufgeschlossenes, sehr wissbegieriges, immer freundliches und nettes Kind. Sie kann sich ganz gut konzentrieren und ist bei vielen Kindern beliebt. In ihrer Freizeit macht sie Ballett, lernt Klavier und ist aufgeschlossen für viele andere Freizeitaktivitäten (z.B. Fußballstadion besuchen). Ein normaler Tag mit Schule und Freizeit ist daher ziemlich voll gepackt. In der Schule kommt sie aus Sicht von M3 sehrt gut zurecht und bringt gute Noten mit nach Hause. Beim Lernen ist sie sehr selbstständig und pflichtbewusst.
Beschreibung durch den Lehrer (L1)
Aus der Sicht ihres Lehrers arbeit K3 sehr selbstständig, kann ihren Lernstoff selber strukturieren und denkt und arbeitet auch sehr strukturiert und zuverlässig. Sie ist wissbegierig und neugierig, wenn es darum geht, hinter Probleme zu kommen. Ihr Sozialverhalten wird von L1 als sehr vermittelnd und problemlösend beschrieben. Sie beteiligt sich gut an den regelmäßigen Versammlungen, auf der Fragen der Klasse gemeinsam besprochen werden. Sie ist jünger als die anderen in der vierten Klasse, weil sie ein Schuljahr übersprungen hat.
4.3.2 Beobachtete Verhaltensänderungen
Einschätzung durch die Mutter (M3)
Nach Einschätzung der Mutter gefällt K3 das Yoga „ganz toll”. Sie hat vom Kurs zu Hause erzählt, Figuren gezeigt und die Mutter zum Mitmachen angeregt. Bei den erkennbaren Verhaltensänderungen in der Familie betont M3 die entspannende und ausgleichende Wirkung:
„Ja, also ich habe das Gefühl, sie war viel ausgeglichener.” (M3)
Geschildert wird von M3 eine Episode zum dicht gepackten Schul- und Freizeittag von K3. Für sie erkennbar war, dass ihre Tochter nach dem Yoga nicht mehr so müde, sonder eher entspannt von der Schule kam.
„Ja, z.B. dass wir an einem Mittwoch, da hat sie immer Ballett und manchmal gab es so eine Situation, oder oft eigentlich, dass sie da gar nicht hinwollte. Und eigentlich immer so müde kam von der Schule und jetzt in der in Zeit gar nicht. Weil ich das Gefühl hatte, sie hatte dann da schon irgendwie entspannt und kam ganz anders nach Hause.” (M3)
M3 sieht eine deutliche Verbindung zwischen dem Yoga und den beobachteten Veränderungen in Richtung Entspannung und Ausgeglichenheit.
„Ja, auf jeden Fall. Das hat ihr sehr gut getan.” (M3)
Andere Wirkungen auf das Sozial- oder das Lernverhalten hat sie nicht beobachtet.
Einschätzung durch den Lehrer (L1)
Für den Lehrer (L1) erschien K3 am Anfang des Schuljahres etwas ängstlich und hatte Schwierigkeiten, eine Hürde in Angriff zu nehmen. Dies hat sich aus seiner Sicht deutlich verändert. Von Misserfolgsängsten ist nicht mehr zu berichten. Nach seiner Einschätzung geht sie nun alles an und macht alles. Zeitlich fällt die Entwicklung für den Lehrer mit dem Yogakurs zusammen, aber die Entwicklung von mehr Selbstständigkeit und der Abbau von Versagensängsten gehört aus seiner Erfahrung auch zu den normalen Entwicklungsschritten für Schüler der vierten Klasse. Eine Trennung der beiden Prozesse ist schwer. Es könnte sich auch um normale „Reifungsprozesse” handeln. Bei den beiden anderen Kindern von L1, die mit im Yogakurs sind, war eine noch deutlichere Entwicklung zu mehr Selbstbewusstsein zu erkennen. Hier vermutet L1 noch eine stärker unterstützende Wirkung des Yoga.
Tab. 4: Persönlichkeitsprofil von K3
| Persönlichkeitsprofil K3 | M1 prä | M1 post | Lehrer | Veränderung |
|---|---|---|---|---|
| ist sehr aufgeschlossen | xx | xx | xx | |
| hat mehrere Freunde in der Klasse | xx | xx | xx | |
| ist generell beliebt bei seinen Mitschülern | xx | xx | xx | |
| ist in die Klassengemeinschaft integriert | xx | xx | xx | |
| langweilt sich schnell, wenn er/sie allein ist | 0 | 0 | x | |
| spielt überwiegend phantasievoll | xx | xx | xx | |
| hat eigene Antriebskraft zum Lernen | xx | xx | xx | |
| ist bei den Hausaufgaben fleißig | xx | xx | xx | |
| träumt häufig vor sich hin | x | x | 0 | |
| neigt bei Frust/Ärger zu Wutausbrüchen | 0 | 0 | 0 | |
| ist eher ruhig und ausgeglichen | x | 0 | xx | - |
| ist eher schüchtern | 0 | 0 | 0 | |
| kann sich gut auf eine Aufgabe konzentrieren | xx | xx | xx | |
| hat ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden | xx | xx | xx | |
| ist oft streitlustig | 0 | 0 | 0 | |
| hat eine hohe Leistungsbereitschaft | xx | xx | xx | |
| ist meistens kompromissbereit | xx | xx | xx | |
| ist selbstsicher | xx | xx | xx | |
| ist zuversichtlich | xx | xx | xx | |
| hat ein positives Bild von sich selbst | xx | xx | xx | |
| ist häufig ängstlich | 0 | 0 | 0 | |
| stellt sich gern neuen Herausforderungen | xx | xx | xx | |
| ist offen für neue Kontakte | xx | xx | xx | |
| ist hilfsbereit | xx | xx | xx | |
| ist unsicher im Umgang mit anderen | 0 | 0 | 0 | |
| hat Ausdauer | xx | xx | xx | |
| hat eine schnelle Auffassungsgabe | xx | xx | xx | |
| weint schnell und häufig | 0 | 0 | 0 | |
| wird manchmal von Mitschülern gehänselt | 0 | 0 | 0 | |
| hat Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten | xx | xx | xx | |
| ist einfühlsam und mitfühlend | xx | xx | xx |
XX: stimmt genau, X: stimmt teilweise, 0: stimmt nicht
Auffällig ist die nur geringe Veränderung zwischen den beiden Profilen „prä” und „post”. Auch zwischen Eltern- und Lehrereinschätzung gibt es kaum Unterschiede.
4.3.3 Selbsteinschätzung durch das Mädchen K2
K3 hat Spaß am Yoga gehabt, und würde wieder an einem Yogakurs teilnehmen. Bei den selbst erfahrenen Wirkungen betont sie zum einen die „Entspannung”. Zum anderen sieht sie einen herausfordernden „Leistungsaspekt” in den Übungen. Auf Nachfrage gibt sie an:
„Ja, also ich bin jetzt ruhiger geworden, vorher war das nicht immer so entspannt, und ich mach auch Yoga und es macht mir auch Spaß und ich üb die ganz oft.” (K3)
„Ja, mir bringt es Leistung und halt auch, dass ich ruhiger werde.” (K3)
„Also Leistung, also dass ich es halt besser kann und dass ich auch, weil es ist ja auch sehr anstrengend, und ich mach ja auch Ballett, und dann bringt es auch für das Ballett was.” (K3)
Sie sieht eine positive Verbindung zu ihrer Aktivität im Ballett, und sieht möglicherweise einen Lerneffekt in der Körperbeherrschung. Die entspannende, beruhigende Wirkung ist ihr aber ebenso wichtig, und an anderer Stelle im Interview wird auch deutlich, dass sie bestimmte Übungen gezielt zur Entspannung einsetzt. Weil man ruhiger wird und „ein schönes Gefühl hat”, empfiehlt sie Yoga auch anderen Kindern.
Seitenanfang4.4 Kind 4
4.4.1 Ausgangslage
Beschreibung durch die Mutter (M4)
K4 wird von ihrer Mutter als sehr ruhiges, liebes Kind mit gutem Charakter beschrieben. Sie weint schnell, wenn sie geärgert wird. Sie lacht auch und ist fröhlich. In ihrer Freizeit spielt sie gern mit ihrer Freundin, fährt gerne Fahrrad und sieht Fernsehen. In der Schule hat sie aus Sicht der Mutter einige Probleme („nicht so ihr Ding”) und hat keine rechte Lust zum Lernen. Sie ist ein „Förderkind” und hat Schwierigkeiten bei der Lernmotivation.
Beschreibung durch den Lehrer (L1)
Das Mädchen K4 ist aus Sicht ihres Lehrers ein lernbehindertes Kind und ist auf dem Stand einer Zweitklässlerin. Sie erscheint recht ängstlich und fragt bei vielen Handlungen nach, ob das so richtig ist. Sie ist vom Sozialverhalten her eher zurückgezogen und still. Sie spielt gerne zusammen mit zwei weiteren lernbehinderten Mädchen aus der Klasse. In der Großgruppe ist sie gern bereit, Aufgaben zu übernehmen.
4.4.2 Beobachtete Verhaltensänderungen
Einschätzung durch die Mutter (M4)
Das Mädchen K4 hat zu Hause nichts vom Yogakurs erzählt und auch keine Figuren gezeigt. Für die Mutter ist unklar, ob das Yoga ihrer Tochter gefallen hat.
Veränderungen im Verhalten von K4 hat die Mutter nicht beobachtet.
Einschätzung durch den Lehrer (L1)
Auffällig für den Lehrer ist, dass das Mädchen K4 mit ihren Freundinnen zusammen Yogaübungen in den Pausen oder vor dem Unterricht gemacht hat. Sie hat wenig über das Yoga erzählt, aber durch ihr Verhalten deutlich werden lassen, dass ihr das Yoga gefällt.
„Finde ich faszinierend, wie die Kinder darauf ansprechen und wie gerne sie das machen. Und bei K4, die eher bewegungsunfreudig gewesen ist… die macht jetzt gerade diese ‚Brücke’ mit ihrer Freundin K5 zusammen. Und was die an Körpergefühl dazu gewonnen hat, das ist wahrnehmbar. Und das führe ich tatsächlich auf das Yoga zurück.” (L1, K4)
Der Lehrer L1 sieht einen deutlichen Zugewinn an Körpergefühl bei K4, aber auch beim Mädchen K5, ihrer Freundin. Bedeutsam erscheint ihm auch, dass die Kinder spontan die Yogaübungen fortführen und in ihre Schulfreizeit integrieren. Damit verbunden ist die Möglichkeit, anderen etwas zu zeigen, was man kann. Hier sieht L1 eine starke Verbindung zum Yoga und zur Stärkung des Selbstbewusstseins.
„Ich glaube ja, durch diese Körpererfahrung, durch diese Körperselbsterfahrung und dadurch, dass sie etwas kann, was sie anderen zeigen kann. Sonst ist sie immer die, die nichts hat, was sie irgendwie zeigen kann. Jetzt kann sie eine ‚Brücke’ zeigen oder eine der anderen Übungen. Sie hat dadurch auch son bisschen Spaß gewonnen. Sie macht es eben gerne, was auch das Selbstbewusstsein und die Selbstwahrnehmung unterstützt. Also das denke ich schon, dass das mit dem Yoga zusammenhängt.” (L1, K4)
Die zunächst im Schuljahr wahrgenommene Unsicherheit von K4 hat abgenommen. Sie wird durch den Lehrer als „ein bisschen selbstbewusster” wahrgenommen. Sie hat etwas mehr Selbstsicherheit und fragt nicht mehr bei jedem Schritt nach. Nach Einschätzung von L1 hat das Yoga positive körperliche Lernprozesse angeregt und K4 auch in anderen Bereichen mehr Selbstsicherheit gegeben.
Tab. 5: Persönlichkeitsprofil von K4
| Persönlichkeitsprofil K4 | M1 prä | M1 post | Lehrer | Veränderung |
|---|---|---|---|---|
| ist sehr aufgeschlossen | xx | xx | 0 | |
| hat mehrere Freunde in der Klasse | xx | x | x | - |
| ist generell beliebt bei seinen Mitschülern | xx | xx | x | |
| ist in die Klassengemeinschaft integriert | xx | xx | xx | |
| langweilt sich schnell, wenn er/sie allein ist | xx | xx | x | |
| spielt überwiegend phantasievoll | xx | xx | x | |
| hat eigene Antriebskraft zum Lernen | 0 | x | xx | + |
| ist bei den Hausaufgaben fleißig | x | xx | x | + |
| träumt häufig vor sich hin | xx | xx | x | |
| neigt bei Frust/Ärger zu Wutausbrüchen | 0 | xx | 0 | - |
| ist eher ruhig und ausgeglichen | xx | x | 0 | - |
| ist eher schüchtern | xx | xx | xx | |
| kann sich gut auf eine Aufgabe konzentrieren | 0 | xx | x | + |
| hat ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden | xx | xx | xx | |
| ist oft streitlustig | xx | 0 | 0 | + |
| hat eine hohe Leistungsbereitschaft | xx | xx | x | |
| ist meistens kompromissbereit | xx | xx | x | |
| ist selbstsicher | 0 | x | 0 | + |
| ist zuversichtlich | xx | xx | x | |
| hat ein positives Bild von sich selbst | xx | xx | x | |
| ist häufig ängstlich | xx | x | xx | + |
| stellt sich gern neuen Herausforderungen | xx | xx | 0 | |
| ist offen für neue Kontakte | xx | xx | x | |
| ist hilfsbereit | xx | xx | xx | |
| ist unsicher im Umgang mit anderen | x | xx | xx | - |
| hat Ausdauer | 0 | xx | x | + |
| hat eine schnelle Auffassungsgabe | 0 | xx | 0 | + |
| weint schnell und häufig | xx | 0 | x | + |
| wird manchmal von Mitschülern gehänselt | xx | 0 | x | + |
| hat Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten | xx | xx | x | |
| ist einfühlsam und mitfühlend | xx | xx | xx |
XX: stimmt genau, X: stimmt teilweise, 0: stimmt nicht
Auffällig ist die starke Veränderung des Persönlichkeitsprofils aus der Sicht der Mutter zwischen dem Kursbeginn (prä) und dem Kursende (post). Unter den Aspekten mit positiver Veränderungstendenz finden sich auch Selbstsicherheit und geringere Ängstlichkeit.
4.4.3 Selbsteinschätzung durch das Mädchen K3
Dem Mädchen K4 gefällt Yoga gut. Sie findet viele Übungen aber schwer, und meint, dass sie vieles noch nicht so hinkriegt, wie sie es möchte. Trotzdem würde sie wieder an einem neuen Yogakurs teilnehmen.
Angesprochen auf die Wirkungen betont sie die körperlichen Lern-Effekte im Sinne einer besseren Körperbeherrschung und einer größeren Beweglichkeit.
„Dass ich jetzt ein bisschen gelenkiger bin. Vorher war ich das noch nicht. Und dass ich auch jetzt ein bisschen das kann, aber ich kann das noch nicht so ganz, weil ich da oft immer runterfalle...”
Seitenanfang4.5 Kind 5
4.5.1 Ausgangslage
Beschreibung durch die Mutter (M5)
K5 ist aus Sicht ihrer Mutter ein temperamentvolles Kind mit gutem Charakter. Sie spielt gern mit ihrer Freundin. Bei fremden Kindern zeigt sie sich eher verschlossen. Sie spielt viel, fährt Fahrrad und sucht sich zunehmend selbst Sachen, mit denen sie sich beschäftigen kann. Ihr liegen bewegungsorientierte Freizeitaktivitäten, neben Radfahren auch Schwimmen und Wandern. Aufgrund ihrer Lern- und Konzentrationsprobleme bekommt sie regelmäßig Medi22 kamente. Mit dem Lesen und Schreiben hat sie Probleme und müsste für ihr Alter im Lernen eigentlich weiter sein.
Beschreibung durch den Lehrer (L1)
Für den Lehrer ist das Mädchen K5 ein Kind mit dem Förderschwerpunkt Lernen (lernbehindert). Sie hat starke Konzentrationsschwierigkeiten und ist auf dem Stand einer „Anfangszweitklässlerin”. Sie ist wenig selbstständig, und ohne genaue Anleitung weiß sie bei Arbeitspapieren nicht, was zu tun ist. Sie gerät öfter mal in Streit mit anderen und kann wenig über ihre eigene Rolle in einer Schülergruppe reflektieren. Sie ist leicht reizbar und vermittelt immer ein bisschen Unruhe.
4.5.2 Beobachtete Verhaltensänderungen
Einschätzung durch die Mutter (M5)
Dem Mädchen K5 hat nach Einschätzung der Mutter das Yoga gut gefallen. Sie hat vom Kurs erzählt und Yogafiguren gezeigt.
Eine Veränderung des Verhaltens in der Familie und der Freizeit von K5 hat die Mutter nicht beobachtet. In der Schule hat es Fortschritte beim Lesen gegeben. Einen Einfluss des Yoga sieht M5 eher nicht. Sie führt die Fortschritte eher auf die konzentrationsfördernden Medikamente zurück.
Einschätzung durch den Lehrer (L1)
Der Lehrer L1 vermutet, dass dem Mädchen K5 das Yoga gut gefällt. Als Indiz verweist er auf die spontanen Yogaübungen. Beim sozialen Verhalten hat er den Eindruck, dass es weniger Konflikte „um K5 herum” in den letzten Wochen gegeben hat. Sie kann sich außerdem etwas mehr konzentrieren. Allerdings ist eine Verbindung zum Yoga schwer nachzuvollziehen, da sie Medikamente nimmt.
Erkennbar sind für den Lehrer bei K5 wie bei dem Mädchen K4 positive körperliche Effekte und, in Verbindung damit, positive Ausstrahlungen auf das Selbstbewusstsein.
„Auch da ist es wahrscheinlich wieder das auch von uns als Lehrer festgestellte Selbstbewusstsein und das körperliche Wahrnehmen. K4 und K5 sind beides Kinder, die sportlich... also K5 ist noch mehr sportlicher als K4, aber auch fehlt manchmal die Körperspannung. Das alles scheint jetzt durch Yoga tatsächlich positiv sich entwickelt zu haben. Und auch da führt natürlich, dass sie was zeigen kann, dazu, dass sie mehr an Selbstbewusstsein gewinnt. Und auch an Körperspannung, an anderem Auftreten, bisschen anderes Erscheinungsbild, wenn man sie sich halt so bewegen sieht mit ihren Yoga-Übungen. Hätte ich ihr gar nicht zugetraut, viele Dinge, so wie ich sie kenne.” (L1, K5)
In der Gesamtbilanz stellt L1 eine überaus positive Entwicklung fest, die er der eher schwachen Schülerin nicht zugetraut hätte.
Tab. 6: Persönlichkeitsprofil von K5
| Persönlichkeitsprofil K5 | M1 prä | M1 post | Lehrer | Veränderung |
|---|---|---|---|---|
| ist sehr aufgeschlossen | 0 | xx | x | + |
| hat mehrere Freunde in der Klasse | 0 | 0 | x | |
| ist generell beliebt bei seinen Mitschülern | xx | xx | 0 | |
| ist in die Klassengemeinschaft integriert | xx | xx | xx | |
| langweilt sich schnell, wenn er/sie allein ist | x | x | xx | |
| spielt überwiegend phantasievoll | x | 0 | 0 | - |
| hat eigene Antriebskraft zum Lernen | x | x | 0 | |
| ist bei den Hausaufgaben fleißig | xx | xx | 0 | |
| träumt häufig vor sich hin | 0 | 0 | xx | |
| neigt bei Frust/Ärger zu Wutausbrüchen | xx | xx | x | |
| ist eher ruhig und ausgeglichen | x | x | 0 | |
| ist eher schüchtern | xx | xx | 0 | |
| kann sich gut auf eine Aufgabe konzentrieren | xx | x | 0 | - |
| hat ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden | x | 0 | x | - |
| ist oft streitlustig | xx | x | x | + |
| hat eine hohe Leistungsbereitschaft | xx | x | 0 | - |
| ist meistens kompromissbereit | x | x | x | |
| ist selbstsicher | x | 0 | 0 | - |
| ist zuversichtlich | x | xx | x | + |
| hat ein positives Bild von sich selbst | x | 0 | x | - |
| ist häufig ängstlich | 0 | 0 | x | |
| stellt sich gern neuen Herausforderungen | xx | x | 0 | - |
| ist offen für neue Kontakte | 0 | 0 | x | |
| ist hilfsbereit | xx | xx | xx | |
| ist unsicher im Umgang mit anderen | xx | xx | xx | |
| hat Ausdauer | xx | x | 0 | - |
| hat eine schnelle Auffassungsgabe | x | x | 0 | |
| weint schnell und häufig | x | 0 | 0 | + |
| wird manchmal von Mitschülern gehänselt | 0 | 0 | xx | |
| hat Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten | x | x | x | |
| ist einfühlsam und mitfühlend | x | x | x |
XX: stimmt genau, X: stimmt teilweise, 0: stimmt nicht
Der Vergleich zwischen den beiden Erhebungszeitpunkten zeigt ein sich eher verschlechterndes Persönlichkeitsprofil aus Sicht der Mutter. Positiv verändert haben sich aber die Aspekte Zuversicht und Ängstlichkeit.
4.5.3 Selbsteinschätzung durch das Mädchen K5
Dem Mädchen K5 hat das Yoga gut gefallen, und sie würde auch an einem weiteren Yogakurs auf der weiterführenden Schule teilnehmen. Bei den möglichen Wirkungen betont sie die körperlichen Effekte (Körperbeherrschung und Entspannung).
„An der Anfangszone bei Yoga war ich noch so steif, und dann bin ich immer gelenkiger geworden.” (K5)
„Dass man auch entspannen kann, und dass man nicht so hektische Übungen macht, sondern so ruhige Übungen macht.” (K5)
Für sie ist es eine gute Bestätigung ihrer Fähigkeiten, dass sie bestimmte Übungen wie die Brücke beherrscht und auch beim Interview vorführen kann.
Seitenanfang4.6 Kind 6
4.6.1 Ausgangslage
Beschreibung durch die Mutter (M6)
Der Junge K6 wird von seiner Mutter als ziemlich ausgeglichen, ruhig und vernünftig beschrieben. Er spielt sehr viel und weiß sich selber zu beschäftigen. Er ist fröhlich und positiv gestimmt. K6 ist eher kreativ und malt viel. Ein sportlicher Junge ist er nicht. Er kann sich gut konzentrieren, auch im größten Chaos. Er ist gerne mit anderen zusammen, aber er ist kein Draufgänger. Er ist ein bisschen zurückhaltend, aber doch oft mit anderen zusammen. Durch seine vernünftige, planende Art macht er fast einen erwachsenen, reifen Eindruck. K6 ist ein Einzelkind, macht viel mit der Familie zusammen oder spielt mit den Kindern der Nachbarschaft. Er ist naturinteressiert, spielt viel draußen und auch am Computer. In der Schule kommt er aus Sicht der Mutter sehr gut zurecht, und er hat eine schnelle Auffassungsgabe. Er zeigt sich sehr engagiert bei den Themen, die ihn besonders interessieren (Gesundheit, Körper) und ist pflichtbewusst.
Beschreibung durch die Lehrerin (L2)
Aus Sicht seiner Lehrerin ist K6 ein sehr fleißiger, sehr engagierter Schüler mit großem Allgemeinwissen. Im ersten Schuljahr ist er als sehr zögerliches und weinerliches Kind gestartet, hat sich aber in den letzten drei Jahren sehr entwickelt. Er hat an Selbstvertrauen sehr gewonnen und kann auch zu seinen Unsicherheiten stehen. Im Sozialverhalten ist er sehr hilfsbereit. Er ist unproblematisch im Kontakt mit anderen, ganz empathisch und nett. Er ist fast nie in Konflikte (von ihm ausgehend) verwickelt. Er ist im Stillen kontaktfreudig und hat einen sehr guten Freund in der Klasse, mit dem er viel zusammen macht.
4.6.2 Beobachtete Verhaltensänderungen
Einschätzung durch die Mutter (M6)
Aus Sicht der Mutter hat dem Jungen K6 das Kinderyoga gut gefallen. Er hat vom Kinderyoga vor allem am Anfang einiges erzählt und vorgemacht. Verhaltensänderungen wurden von der Mutter nicht beobachtet. Nach ihrer Einschätzung war K6 auch vor dem Yogakurs schon ein ausgeglichenes Kind. Einen Förderbedarf bei ihrem Sohn sieht sie hier nicht.
Einschätzung durch die Lehrerin (L2)
Auch aus Sicht der Lehrerin hat dem Jungen K6 das Yoga gefallen. Er hat sich nur nicht so enthusiastisch darüber geäußert wie andere Kinder.
Beim Verhalten ist eine leichte Veränderung der Selbstsicherheit zu beobachten. Er kann seinen Standpunkt in letzter Zeit ruhiger, gelassener, aber auch fester vertreten. Möglicherweise hat diese Entwicklung auch schon vor den letzten acht Wochen eingesetzt. Eine direkte Verbindung zum Yoga ist schwer nachzuweisen. Für die Lehrerin erscheint eine unterstützende Wirkungen des Yoga auf die sich eh vollziehende Entwicklung zu etwas mehr Selbstsicherheit und weniger zögerlichem Verhalten aber denkbar.
Tab. 7: Persönlichkeitsprofil von K6
| Persönlichkeitsprofil K6 | M1 prä | M1 post | Lehrer | Veränderung |
|---|---|---|---|---|
| ist sehr aufgeschlossen | xx | x | xx | - |
| hat mehrere Freunde in der Klasse | xx | xx | x | |
| ist generell beliebt bei seinen Mitschülern | xx | xx | xx | |
| ist in die Klassengemeinschaft integriert | xx | xx | xx | |
| langweilt sich schnell, wenn er/sie allein ist | 0 | 0 | 0 | |
| spielt überwiegend phantasievoll | xx | xx | xx | |
| hat eigene Antriebskraft zum Lernen | xx | xx | xx | |
| ist bei den Hausaufgaben fleißig | x | xx | xx | + |
| träumt häufig vor sich hin | 0 | 0 | 0 | |
| neigt bei Frust/Ärger zu Wutausbrüchen | x | 0 | 0 | + |
| ist eher ruhig und ausgeglichen | xx | xx | xx | |
| ist eher schüchtern | x | 0 | x | + |
| kann sich gut auf eine Aufgabe konzentrieren | xx | xx | xx | |
| hat ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden | xx | xx | xx | |
| ist oft streitlustig | 0 | 0 | 0 | |
| hat eine hohe Leistungsbereitschaft | x | xx | xx | + |
| ist meistens kompromissbereit | xx | xx | xx | |
| ist selbstsicher | xx | xx | x | |
| ist zuversichtlich | xx | xx | x | |
| hat ein positives Bild von sich selbst | xx | xx | x | |
| ist häufig ängstlich | 0 | 0 | x | |
| stellt sich gern neuen Herausforderungen | x | xx | xx | + |
| ist offen für neue Kontakte | xx | x | x | - |
| ist hilfsbereit | xx | xx | xx | |
| ist unsicher im Umgang mit anderen | 0 | 0 | 0 | |
| hat Ausdauer | xx | xx | xx | |
| hat eine schnelle Auffassungsgabe | xx | xx | xx | |
| weint schnell und häufig | x | 0 | 0 | + |
| wird manchmal von Mitschülern gehänselt | 0 | 0 | 0 | |
| hat Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten | xx | xx | x | |
| ist einfühlsam und mitfühlend | xx | xx | xx |
XX: stimmt genau, X: stimmt teilweise, 0: stimmt nicht
Das Persönlichkeitsprofil zeigt eine leicht positive Veränderung zwischen dem ersten und dem zweiten Interview (prä/post). Beispielsweise werden die Aspekte Schüchternheit und Ängstlichkeit von der Mutter beim zweiten Interview besser bewertet.
4.6.3 Selbsteinschätzung durch den Jungen K6
Das Yoga hat dem Jungen K6 „eigentlich ganz gut” gefallen. Er würde „vielleicht” noch mal an einem weiteren Yogakurs teilnehmen.
Auf gezielte Nachfrage äußert er sich zu den körperlichen Wirkungen des Yoga. Er erwähnt den Trainingseffekt für die Muskeln sowie entspannende und zugleich stärkende Wirkungen im Zusammenhang mit einem langen Schultag.
„Dass ich mich besser fühle, und ich fühle mich auch mit Yoga wacher. Also, dann bin ich nach der Schule nicht mehr so müde. Weil wenn ich dann jeden Mittwoch Yoga mache, dann fühl ich mich nicht mehr so müde, weil dann bin ich immer Mittwoch nach den Hausaufgaben, dann bin ich immer von dem Yoga ganz wach.” (K6)
Als Problem erscheint K6, dass er durch das zusätzliche Yogaangebot am Mittwoch nur noch zehn Minuten zum Essen hat und dann gleich in die Hausaufgabenhilfe gehen muss. Trotz dieser Zunahme an Zeitstress fühlt er sich insgesamt „wacher” und „fitter”.
K6 war einer von drei Jungen in dem überwiegend von Mädchen besuchten Kurs. Ob dies die etwas geringe Bereitschaft zu einer erneuten Teilnahme mit beeinflusst hat, ist nicht erkennbar.
Seitenanfang4.7 Kind 7
4.7.1 Ausgangslage
Beschreibung durch die Mutter (M7)
Das Mädchen K7 ist für die Mutter ein sehr lebhaftes, nettes und sozial eingestelltes Kind, das nicht gerne streitet, sondern versucht zu schlichten. K7 kann sich schlecht konzentrieren. Sie spielt eher alleine, weil in ihrer Wohngegend wenig andere Kinder sind, und die Mutter verbringt viel freie Zeit mit ihr. Sie hat keine bestimmten Freizeitaktivitäten, unternimmt Ausflüge mit den Eltern, fährt Fahrrad oder geht in den Park. Mit ihrer Mutter spielt sie gern Brettspiele. In der Schule hat sie erhebliche Probleme, vor allem mit der Mathematik, und es fällt ihr schwer, sich zu konzentrieren. Die Mutter möchte einen Nachhilfelehrer für sie engagieren, um sie zu unterstützen.
Beschreibung durch die Lehrerin (L2)
Aus Sicht der Lehrerin ist K7 eine Schülerin mit großen Schwierigkeiten. Ihr Lernverhalten ist sehr wechselhaft, und sie ist oft abgelenkt. Daher hat die Schule entschieden, dass K7 das Schuljahr wiederholen muss, und sie wird jetzt als Zweitklässlerin geführt. Das Sozialverhal27 ten ist für die Lehrerin „ganz prima”. Sie ist wenig in Streitereien verwickelt, kann aber klar ihre Meinung sagen. Sie bezieht andere gern mit ein und ist generell sehr beliebt. Sie mag gerne mit anderen Kindern zusammen sein. Sie ist kompromissbereit und sucht bei Konflikten nach Lösungsmöglichkeiten.
4.7.2 Beobachtete Verhaltensänderungen
Einschätzung durch die Mutter (M7)
Aus Sicht der Mutter gefiel dem Mädchen K7 das Kinderyoga sehr. Bezogen auf das Verhalten ihrer Tochter kann die Mutter nur wenig Veränderung erkennen. Nach ihrer Einschätzung ist sie „vielleicht ein bisschen ruhiger geworden.” Bei einem längeren Kurs, so die Vermutung von M7, wären diese, auch im ersten Interview angesprochenen, erwünschten Effekte möglicherweise noch stärker ausgefallen.
Erhofft wird von der Mutter M7 eine ausgleichende, beruhigende und auch konzentrationsfördernde Wirkung.
Einschätzung durch die Lehrerin (L2)
Für die Lehrerin war dem Mädchen K7 die Begeisterung vom Kinderyoga deutlich anzumerken. Sie hat vom Yoga erzählt und spontan in den Pausen die erlernten Yogaübungen gemacht.
Nach dem Eindruck der Lehrerin ist K7 deutlich zuversichtlicher geworden. Neben dem größeren Selbstbewusstsein ist auch ein Anwachsen der schulischen Leistungen festzustellen. Die Lehrerin führt dies zum Teil auf den weggefallenen Schuldruck durch die Zurücksetzung in die zweite Klasse zurück. Durch die Wiederholung des Lernstoffs geht manches leichter und die Angst vor dem Versagen ist nicht mehr so groß. Dem Yoga kommt aber nach ihrer Einschätzung in dieser Situation eine wichtige unterstützende Funktion zu.
„Und ich glaube gerade, was die Situation des Wiederholens betrifft, unterstützt Yoga das sehr gut, dass sie da im Selbstbewusstsein reift, aber das auch der Leistung zuträglich ist.” (L2, K7)
Das Mädchen K7 war vom Yoga begeistert, und die begonnene Veränderung in Richtung „mehr Selbstbewusstsein, mehr Ruhe und mehr Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten” wurde durch die Erfolgserlebnisse bei den Yogaübungen gestützt, so die Gesamtbilanz der Lehrerin.
Tab. 8: Persönlichkeitsprofil von K7
| Persönlichkeitsprofil K7 | M1 prä | M1 post | Lehrer | Veränderung |
|---|---|---|---|---|
| ist sehr aufgeschlossen | xx | xx | ||
| hat mehrere Freunde in der Klasse | x | xx | ||
| ist generell beliebt bei seinen Mitschülern | x | xx | ||
| ist in die Klassengemeinschaft integriert | xx | xx | ||
| langweilt sich schnell, wenn er/sie allein ist | xx | 0 | ||
| spielt überwiegend phantasievoll | x | xx | ||
| hat eigene Antriebskraft zum Lernen | 0 | x | ||
| ist bei den Hausaufgaben fleißig | x | x | ||
| träumt häufig vor sich hin | 0 | xx | ||
| neigt bei Frust/Ärger zu Wutausbrüchen | 0 | 0 | ||
| ist eher ruhig und ausgeglichen | xx | 0 | ||
| ist eher schüchtern | xx | 0 | ||
| kann sich gut auf eine Aufgabe konzentrieren | 0 | 0 | ||
| hat ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden | xx | xx | ||
| ist oft streitlustig | 0 | x | ||
| hat eine hohe Leistungsbereitschaft | x | 0 | ||
| ist meistens kompromissbereit | x | xx | ||
| ist selbstsicher | x | x | ||
| ist zuversichtlich | x | x | ||
| hat ein positives Bild von sich selbst | x | x | ||
| ist häufig ängstlich | 0 | 0 | ||
| stellt sich gern neuen Herausforderungen | xx | x | ||
| ist offen für neue Kontakte | xx | xx | ||
| ist hilfsbereit | xx | xx | ||
| ist unsicher im Umgang mit anderen | 0 | 0 | ||
| hat Ausdauer | 0 | x | ||
| hat eine schnelle Auffassungsgabe | x | 0 | ||
| weint schnell und häufig | 0 | 0 | ||
| wird manchmal von Mitschülern gehänselt | 0 | 0 | ||
| hat Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten | x | x | ||
| ist einfühlsam und mitfühlend | xx | xx |
XX: stimmt genau, X: stimmt teilweise, 0: stimmt nicht
Beim zweiten Elterninterview wurde die Frage zum Persönlichkeitsprofil aus Zeitknappheit nicht beantwortet.
4.7.3 Selbsteinschätzung durch das Mädchen K7
Das Kinderyoga hat dem Mädchen K7 sehr gut gefallen, und sie würde auch bei einem weiteren Yogakurs mitmachen. Bei der Frage nach der Zufriedenheit und nach den Wirkungen betont sie die allgemeinen positiven körperlichen Effekte. Vielleicht ist aber implizit auch ihre emotionale Stimmungslage mit gemeint.
„Ich find das klasse, weil, seitdem ich das mache, fühle ich mich auch viel besser und lockerer.” (K7)
„Ja, also ich fühl mich lustiger und lockerer, weil ich find alles so spontan.” (K7)
Seitenanfang5 Fallübergreifende Interpretation
5.1 Akzeptanz des Yogaangebots
5.1.1 Kinder
Die Interviews mit den sieben Kindern, die am Yogaangebot teilgenommen haben, lassen die hohe Akzeptanz des Yogaangebots bei den Teilnehmern erkennen. Gefragt wurde in den Gesprächen, wie die Kinder das Yoga finden. Es wurde über Übungen außerhalb des Kurses gesprochen, und die Bereitschaft, noch einmal an einem Yogakurs teilzunehmen, wurde erhoben.
Tab. 9: Akzeptanz des Angebots bei den Kindern
| Kind | Bewertung des Yoga (klasse, gut, eigentlich gut)* | Übungen zu Hause außerhalb des Yogakurses | Bereitschaft zur Teilnahme an einem weiteren Kurs |
|---|---|---|---|
| K1 | gut | nein | ja |
| K2 | gut | ja | ja |
| K3 | gut | ja | ja |
| K4 | eigentlich gut | ja | ja |
| K5 | gut | ja (vorzeigen) | ja |
| K6 | eigentlich gut | ja | vielleicht |
| K7 | klasse | nein | ja |
Die meisten Kinder finden Yoga gut oder sogar sehr gut. Sie haben viel Spaß am Kurs gehabt. Diese Einschätzung wird auch durch die Beobachtungen der Mütter und der Lehrer gestützt. Auch das Mädchen K2 bewertet das Yoga gut. Sie war vor Kursbeginn zunächst skeptisch, wie ihre Mutter im Gespräch berichtet, hat aber ihre Einschätzung im Verlauf des Kurses schnell verändert.
Bis auf zwei Teilnehmer, machen die Kinder auch außerhalb des Kurses Yogaübungen und zeigen Freunden oder Eltern die erlernten Figuren. Die Bereitschaft, an einem weiteren Yogakurs teilzunehmen, ist hoch. Bis auf den Jungen K6 würden alle Schüler gern bei einem weiteren Yogakurs mitmachen.
5.1.2 Eltern
Bei den Eltern zeigt sich im zweiten Interview am Ende des Kurses eine hohe Zustimmung zum Yogaangebot in der Grundschule. Die meisten würden eine Fortsetzung uneingeschränkt befürworten. Einschränkungen werden von zwei Müttern gemacht. Zum einen erscheint der Erfolg abhängig von der Gruppenzusammensetzung. Möglicherweise kommt hier auch eine Skepsis gegenüber einer verpflichtenden Teilnahme zum Ausdruck, und eine Wahlmöglichkeit Yoga mit freiwilliger Teilnahme wäre aus dieser Sicht die bessere Option. Zum anderen bewertet eine Mutter die Maßnahme Kinderyoga sehr stark bezogen auf den Bedarf für ihr eigenes Kind. Die Notwendigkeit erscheint ihr nicht gegeben.Tab. 10: Einschätzung der Mütter zur Fortführung des Yoga
| Mutter | Empfehlung für eine Fortführung des Yogaangebots an der Eichendorffschule | Kommentare |
|---|---|---|
| M1 | ja | Erfolg ist Abhängig von der Gruppe, es gab auch schwierige Gruppen im Verlauf des Projekts |
| M2 | ja | |
| M3 | ja | |
| M4 | ja | |
| M5 | ja | |
| M6 | weiß nicht | für das eigene Kind als spezielle Förderung nicht so notwendig, für andere Kinder vielleicht wichtig |
| M7 | ja |
Generell stehen die befragten Eltern dem Yogaangebot in der Grundschule positiv gegenüber. In den Interviews wird aber auch deutlich, dass sie in unterschiedlichem Maße vom Kursgeschehen erfahren haben und Einschätzungen zu den möglichen Erfahrungen ihrer Kinder gewinnen konnten. Einige Kinder haben ihre Mütter stark mit einbezogen, haben viel erzählt und Übungen vorgeführt. Bei anderen scheint dies weniger oder nicht der Fall gewesen zu sein. In den Kommentaren zeigen sich zwei unterschiedliche Vorstellungen über eine mögliche Fortführung:
- freiwilliges Angebot für interessierte Kinder als Option der OGS
- eher verpflichtendes Förderangebot für Kinder mit Schwierigkeiten in der Schule.
5.1.3 Lehrer
Die beiden an der Untersuchung beteiligten Lehrer sprechen sich ganz deutlich für eine Fortführung des Kinderyoga an der Eichendorffschule aus. Sie sehen insgesamt positive Wirkungen auf die Kinder, ihr Selbstvertrauen und die Entwicklung der Lernleistungen. Das Yoga wird als ein ergänzendes und die Schule bereicherndes Angebot wahrgenommen. Eine Fortführung „wäre schön”.
„Also es wäre schön, wenn so etwas beibehalten wird und vielleicht in einem größeren Rahmen noch angeboten werden könnte.” (L1)
„Denn das hat den Kindern gut getan, und ich würde es als festen Angelpunkt in der OGS wichtig finden. Und ich würde es auch gut finden, es mehr in den Schulvormittag reinzutransportieren.” (L2)
Aus Sicht der Lehrerin L2 gibt es zwei Gründe, die für eine Fortführung sprechen: die erkennbaren körperlichen Effekte und die wünschenswerte Sensibilisierung für die mentalen Aspekte des Yoga im Sinne von Ruhe und Besinnung. Brücken zum Unterricht wären durch einen Einbau ritualisierter Elemente aus dem Yogatraining denkbar. Zwischen einzelne Unterrichtseinheiten könnten in diesem Sinne kurze Entspannungs- und Besinnungsphasen eingebaut werden.
Seitenanfang5.2 Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung
5.2.1 Erinnerung der Kinder
Die beteiligten Kinder können sich sehr gut an einzelne Übungen aus dem Yogakurs erinnern. Sie können im Rahmen des Interviews auch einzelne Figuren vorführen. Sie haben alle eine Übung, die sie besonders mögen, und können den Ablauf einer Yogastunde rekonstruieren. Genauere Erinnerungen an die Motiv-Geschichten für die einzelnen Übungen hat nur ein Teil der Kinder. Am deutlichsten in Erinnerung geblieben erscheint ihnen die Eröffnungssequenz der Yogastunde mit der Geschichte über „Das kleine Samenkorn”.
Tab. 11: Erinnerung an Übungen aus dem Yogakurs
| Kind | Kann Übungen benennen | Beispiele | Kann Übungen im Interview vorführen | Beispiele |
|---|---|---|---|---|
| K1 | ja | Kamel, Brücke, Katze, Kobra, Königskobra | ja | Katze, Boot, Königskobra, Katze |
| K2 | ja | Krähe-Rabe-Zuckerrohr | ja | Krähe-Rabe-Zuckerrohr |
| K3 | ja | Krähe-Rabe-Zuckerrohr, Samenkorn, Schwimmer, Boot | ja | Krähe-Rabe-Zuckerrohr |
| K4 | ja | Brücke, Spinne, Schiff | ja | Brücke |
| K5 | ja | Samenkorn, Brücke | ja | Brücke |
| K6 | ja | Steg, Schnecke, Brücke, Königskobra | ja | Steg, Krähe |
| K7 | ja | Königskobra, Krähe-Rabe-Zuckerrohr, Katze, Samenkorn, Vogel | ja | Königskobra |
Tab. 12: Erinnerung an weitere Elemente aus dem Yogakurs
| Kind | Kann Motiv-Geschichten zu den Übungen erzählen | Beispiel | Kann den Ablauf einer Yogastunde erzählen | Hat eine Lieblingsübung |
|---|---|---|---|---|
| K1 | nein | ja | Kamel, Brücke | |
| K2 | teilweise | Samenkorn | ja | Krähe-Rabe-Zuckerrohr |
| K3 | ja | Samenkorn, Segler | ja | Krähe-Rabe-Zuckerrohr |
| K4 | nein | teilweise | Brücke | |
| K5 | nicht angesprochen | ja | Schnecke | |
| K6 | ja | Vogel | ja | Krähe |
| K7 | ja | Samenkorn, Blume | ja | Königskobra |
Die Erinnerungen der Kinder sind ein Indiz für eine intensive Beschäftigung mit den Yogaübungen und die Hineinnahme der Figuren in den eigenen Alltag. Die Namen aus der Natur erleichtern es offenbar den Kindern, die Figuren zu benennen und zu unterscheiden. Häufiger in Erinnerung geblieben ist die Übungsabfolge „Krähe-Rabe-Zuckerrohr”. Die damit verbundenen Geschichten bzw. Tugendbotschaften (z.B. „leicht wie ein Vogel”) sind nicht bewusst präsent und können im Interview nur in Bruchstücken rekonstruiert werden. Anders sieht es mit dem eher ritualisierten Ablauf einer Unterrichtsstunde aus.
Am Ende des Kurses sind bei den beteiligten Kindern Erinnerungen an Abläufe, Elemente und Übungen in einem nennenswerten Umgang festzustellen. Sie bilden die Basis für eine eigenständige Fortführung des Yoga (zu Hause, in Pausen des Schulunterrichts) und weisen auf eine Verinnerlichung des Ansatzes hin.
5.2.2 Bereiche der Entwicklung
Aus den Fallanalysen lassen sich drei Bereiche der persönlichkeitsrelevanten Effekte unterscheiden. Die folgende Abbildung verdeutlicht die vermutete wechselseitige Beeinflussung.
Abb. 3: Unterschiedene Bereiche der Persönlichkeitsentwicklung
Die Kinder selbst berichten in den begleitenden Interviews zum Yogaangebot über körperliche Effekte, die sie im Verlauf des Kurses bei sich beobachtet haben. Zu unterscheiden sind folgende Aspekte:
Körperbeherrschung: Für einen Teil der Kinder ist erkennbar, dass sie durch die Übungen eine größere „Beweglichkeit” oder „Gelenkigkeit” gewonnen haben. Viele berichten im Interview darüber, dass sie bestimmte Übungen zunächst nicht konnten, dann aber eine größere Fertigkeit erlernt haben. Für das Mädchen K3, das außerdem Ballett betreibt, ist es sogar ein „Leistungsaspekt”. Bestimmte Übungen erscheinen als körperliche Herausforderungen. Die körperliche Wahrnehmung vermittelt Erfolgserlebnisse: „Ich kann die Übung jetzt”. Darüber hinaus könnte eine generell höhere Sensibilität für körperliche Aspekte vermutet werden. Aus Sicht der Lehrer ist eine andere „Körperspannung” bei einzelnen Kindern wahrnehmbar (K5).
Ausgeglichenheit: Der zweite Unteraspekt zur körperlichen Wahrnehmung betrifft die emotionale Gestimmtheit. Von den Kindern selbst werden die Veränderungen mit den Begriffen „entspannter”, „wacher”, „ruhiger” und „lockerer” benannt. Einzelne Kinder fühlen sich nach einem langen Schultag nicht mehr so müde und erschöpft, haben noch Lust, weitere Freizeit aktivitäten anzugehen oder meinen, dass sie nach Yogaübungen besser schlafen können. In der Gesamtheit der Selbsteinschätzungen wird deutlich, dass die Kinder eine Sensibilität für ihre eigene Gestimmtheit entwickeln können. Sie nehmen positive Wirkungen durch das Yoga wahr („hat mir gut getan”). Sofern die Mütter überhaupt Verhaltensänderungen bei ihren Kindern wahrnehmen können, betreffen diese den Bereich der körperlichen Effekte. Die Mutter M3 meint zum Beispiel, dass ihre Tochter durch das Yoga ausgeglichener geworden ist. M7 vermutet, dass ihr Kind etwas ruhiger geworden ist.
Im Sinne einer emotionalen Selbststeuerung könnte bei einzelnen Kindern über die körperliche Wahrnehmung hinaus ein instrumenteller Einsatz von Yogaübungen zur gezielten Beeinflussung der Gestimmtheit vermutet werden. K2 macht Übungen häufiger beim Spielen zu Hause und wenn ihr „langweilig” ist. K3 macht ebenfalls häufiger Übungen am Tag, wenn sie „Lust” dazu hat. K4 macht Übungen oft abends und wenn sie spät von der Schule kommt.
Selbstvertrauen
Die Einschätzungen der beiden beteiligten Lehrer betreffen vor allem den Bereich des Selbstvertrauens. Sie haben dabei das Verhalten der Kinder gegenüber den schulischen Anforderungen im Blick. Sie beschreiben eine Entwicklung einzelner Kinder von einem eher ängstlichen Herangehen an Aufgaben und neue Herausforderungen zu einem größeren Selbstbewusstsein und einem gestiegenen „Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten”. Bei einzelnen Kindern sehen sie einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Yoga und einem Anstieg des Selbstvertrauens. Dies betrifft insbesondere die leistungsschwächeren Kinder mit einer etwas ungünstigeren Ausgangslage. Bei den sich gut entwickelnden starken Schülern erscheinen weniger Effekte erkennbar, die mit dem Yoga in Verbindung gebracht werden können. Unterschieden werden dabei von den Lehrern:
- in der jeweiligen Jahrgangsstufe übliche Entwicklungsschritte der Kinder und damit verbundene „Reifungsprozesse”
- auffällige Fortschritte beim Abbau von Misserfolgsängsten, Zunahme von Zuversichtlichkeit und Selbstbewusstsein.
Generell wird von den Lehrern dem Yoga eine moderierende oder ergänzende Rolle bei den stattfindenden Entwicklungen zugewiesen. Die Entwicklung einzelner Schüler in der Klasse wird durch mehrere Faktoren beeinflusst:
- Lernen in einer Gruppe (Suchen von Problemlösungen in Gesprächen) (K2)
- Medikamente zum Abbau von Konzentrationsschwächen (K5)
- Verminderung des Leistungsdrucks durch Zurückstufung um ein Schuljahr (K7).
Dennoch glauben beide interviewten Lehrer eine Ausstrahlung des Yoga auf die Entwicklung des Selbstvertrauens der Kinder feststellen zu können. Die Auffälligkeit ergibt sich für sie vor allem aus dem Vergleich von schon immer leistungsstarken und eher leistungsschwachen Schülern mit Lernproblemen.
Körperbetonte Selbstpräsentation
Der dritte Bereich von persönlichkeitsrelevanten Wirkungen, der aus den Interviews hervorgeht, betrifft die Interaktion der Kinder mit Mitschülern, Lehrern und Eltern. In den Beschreibungen ist deutlich abzulesen, dass die meisten Kinder ihre neuen Yogafähigkeiten gerne anderen vorführen und Spaß an dieser Art von körperbetonten Selbstpräsentation haben. Die meisten Kinder haben die Yogaübungen zu Hause ihren Eltern gezeigt und auch anderen Kindern, die nicht am Yoga beteiligt waren, vorgeführt.
Vorzeigen: Das Vorzeigen von Yogaübungen spielt nach den vorliegenden Interviewdaten eine größere Rolle bei den Folgen des Yogakurses als das Erzählen über die gemachten Erfahrungen. Manche Kinder sind eher still und berichten wenig. An der Reproduktion von Yogafiguren lässt sich aber aus Sicht von Lehrern und Müttern deutlich auf ihr Interesse und die Verinnerlichung der bereichernden Erfahrungen schließen.
Von den Lehrern wurden z.T. spontane Yogaübungen von einzelnen Kindern in den Pausen beobachtet. Sie berichten sehr engagiert über die neuen Verhaltensweisen und das Auftreten ihrer Schüler. Sie deuten dieses körperliche Agieren als Ausdruck eines gestiegenen Selbstbewusstseins und eines neuen Körpergefühls der Kinder. Besonders deutlich erscheint dies für den Lehrer L1 bei den beiden lernschwächeren Kindern K4 und K5.
Darüber hinaus wurde die Präsentation von Yogafiguren von der befragten Lehrerin L2 im Rahmen des Sportunterrichts gezielt gefördert und in die Unterrichtsstunde einbezogen. Die am Yogakurs beteiligten Kinder wurden gebeten, andere Schüler in die Übungen einzuführen. Durch das Yoga ergibt sich eine neue Schnittmenge in den Interessen. Dies stützt die soziale Situation in den heterogenen, jahrgangsübergreifenden Gruppen.
Anerkennung: Ein wesentlicher Unteraspekt der Selbstpräsentation ist die erfahrbare Anerkennung. Die Kinder können etwas von sich zeigen, etwas vorführen, was die anderen nicht können. Sie bekommen Lob für gelungene Figuren und können stolz auf die erlernten Fähigkeiten sein. Nicht nur im Yogakurs erfahren die Kinder damit eine positive Verstärkung, sondern auch im Umgang mit Lehren, Eltern und Mitschülern wird ihnen vermittelt, dass sie etwas Besonderes leisten können. Für andere, am Yoga nicht beteiligte Kinder haben die Figuren etwas von „Akrobatik”. Von den Lehrern erhalten die Kinder positive emotionale Rückmeldungen (toll, hätte ich nicht von ihr gedacht) und werden als Vorbild für andere angesehen. Eine förderliche Wirkung der sozialen Identität der Kinder und damit auch eine größere Selbstsicherheit im Umgang mit den anderen Schülern kann vermutet werden.
5.2.3 Matrix zu Verhaltensänderungen
Tab. 13: Veränderungen in Verbindung mit dem Kinderyoga
| Kind | Einschätzung Lehrer | Einschätzung Mutter | Profil-Veränderungen | Selbsteinschätzung Kinder |
|---|---|---|---|---|
| K1 | geringe | keine | positiv | entspannter |
| K2 | keine | keine | positiv | entspannter |
| K3 | geringe | deutliche | keine | ruhiger |
| K4 | deutliche | keine | positiv | gelenkiger |
| K5 | deutliche | geringe | negativ | gelenkiger, entspannter |
| K6 | geringe | keine | positiv | wacher, fitter |
| K7 | deutliche | geringe | k.A. | lockerer |
Die Gesamtübersicht zu den beobachteten Veränderungen im Zusammenhang mit dem Yoga zeigt ein uneinheitliches Bild. Von den Kindern selbst wird die andere Körperwahrnehmung betont (entspannter, gelenkiger, lockerer). Die Lehrer sehen deutliche Veränderungen bei den eher schwächeren Schülern K1, K4, K5 und K7. Bei den anderen sind geringe oder keine Veränderungen zu beobachten, die mit dem Yoga in Verbindung gebracht werden können. Die Einschätzungen der Lehrer korrespondieren kaum mit den subjektiven Eindrücken der Mütter. Tendenziell werden von den Müttern eher keine oder geringe Verhaltenänderungen beobachtet. Ein leichter Zusammenhang zeigt sich zwischen den Differenzen in den erhobenen Persönlichkeitsprofilen (Befragung der Mütter am Anfang und am Ende des Kurses). Auch die meisten schwächeren Kinder haben sich danach aus Sicht der Mütter positiv entwickelt. Die positiven Differenzen beziehen sich auch auf Aspekte des Selbstvertrauens und stützen damit die Bewertung aus Sicht der Lehrer.
Tab. 14: Von den Lehrern angesprochene Bereiche der Persönlichkeitsentwicklung
| Kind | Körperliche Wahrnehmung | Selbstvertrauen | körperbetonte Selbstpräsentation |
|---|---|---|---|
| K1 | - | gering | - |
| K2 | - | - | - |
| K3 | - | gering | - |
| K4 | deutlich | deutlich | deutlich |
| K5 | deutlich | deutlich | deutlich |
| K6 | - | gering | - |
| K7 | - | deutlich | deutlich |
In der Gesamtschau der in den beiden Lehrerinterviews angesprochenen Bereiche wird erkennbar, dass es die größte „Schnittmenge” bei den Einschätzungen zum „Selbstvertrauen” gibt. Bei den schwächeren Kindern sind für beide Lehrer deutliche Veränderungen erkennbar. Beobachtete Aspekte der Körperwahrnehmung und der Selbstpräsentation beziehen sich auch auf die schwächeren Schüler, werden aber nicht von beiden Lehrern gleichermaßen angesprochen. Sie werden aber im Interview als „Schlüsselsituationen” für die Deutung der Wirkungen des Kinderyoga angeführt und interpretiert.
5.2.4 Intervenierende Faktoren
Als wesentlicher intervenierender Faktor für die Beobachtungen und subjektiven Einschätzungen der Lehrer und der Mütter kann ihre jeweilige Einstellung zum Yoga angenommen werden. Erfragt wurde im Interview daher als Indikator, ob die Gesprächspartner selber Yoga praktizieren.
Erfahrungen der Lehrer mit Yoga
Beide beteiligten Lehrer machen selbst kein Yoga. Die befragte Lehrerin hat an einem Schnupperangebot für die Lehrer der Eichendorffschule im Rahmen des Kinderyoga-Projekts teilgenommen und dort die Grundidee des Kinderyoga kennen gelernt. Erkennbar ist in den Interviews eine offene positive Grundeinstellung der Lehrer zum Angebot Kinderyoga in der Grundschule.
Erfahrungen der Eltern mit Yoga
Die Übersicht zeigt: aktuell praktizieren die Eltern der befragten Kinder kein Yoga. Einige haben Yoga früher schon einmal ausprobiert und damit sicherlich ein gutes Vorverständnis bezogen auf die Übungen.
Tab. 15: Erfahrungen der Eltern mit Yoga
| Interview | Mutter | Lebenspartner |
|---|---|---|
| M1 | mal ausprobiert | nein |
| M2 | früher einmal | nein |
| M3 | mal ausprobiert | nein |
| M4 | nein | nein |
| M5 | nein | nein |
| M6 | nein | nein |
| M7 | nein | nein |
Aufgrund der geringen Erfahrungen der Lehrer und der Mütter mit Yoga lässt sich vermuten, dass sie kaum yogaspezifische Wirkungen in ihre Beobachtungen hineinprojiziert haben. Auch die Übertragung eigener Erfahrungen mit Yoga auf die Deutung der Verhaltensänderungen der Kinder kann wahrscheinlich ausgeschlossen werden.
5.2.5 Überlegungen zu möglichen Kontrollgruppen
Die Begleitforschung zum Projekt Kinderyoga an der Eichendorffschule konzentrierte sich uf die Teilnehmer am Yogaangebot. Die Begleitung einer Kontrollgruppe von Nichtteilnehmern wäre wünschenswert gewesen, erschien aber im Rahmen dieses Pilotprojektes nicht leistbar. Aus den Ergebnissen der Interviews lassen sich aber konzeptionelle Überlegungen für mögliche Kontrollgruppen ableiten. Hintergrund dieser Überlegungen ist, dass bestimmte Effekte möglicherweise nicht yogaspezifisch sind. Eine Förderung gemeinsamer Interessen oder die positiven Folgen einer Präsentation neu erlernter Fertigkeiten könnten auch mit anderen Angeboten einhergehen. Daher ergeben sich drei mögliche Arten von Kontrollgruppen:
- Schüler, die an keinem Sonderprogramm teilnehmen
- Schüler, die an einem körperbetonten Spielprogramm teilnehmen (z.B. mit Zirkuselementen)
- Schüler, die an einem kreativen Angebot teilnehmen (künstlerisch-musisch)
Die bei der Begleitforschung zum Kinderyoga aufgetretenen Probleme hinsichtlich der Befragungsteilnahme und der Erreichbarkeit der Eltern, würden auch eine systematische Bildung von Untersuchungs- und Kontrollgruppen erschweren.
Als Hypothese könnte angenommen werden, dass insbesondere die Wechselwirkungen von Körperwahrnehmung, körperbetonter Selbstpräsentation und Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten einen yogaspezifischen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung der Grundschulkinder darstellen.
5.2.6 Vergleich mit den Ergebnissen des zweiten Kursdurchlaufs
Die Diplomarbeit von Katja Schulenburg (2008) an der Hochschule Bremen hatte ebenfalls zum Ziel, persönlichkeitsbildende Aspekte des Kinderyoga zu identifizieren. Im Mittelpunkt dieser Arbeit stand die Begleitung des zweiten Kurses an der Bielefelder Eichendorffschule. Insgesamt sechs Kinder wurden in die Studie einbezogen.
Aus den Interviews mit Lehrern, Müttern und Kindern wurden insgesamt acht Oberkategorien herausgearbeitet, denen die beobachtbaren Verhaltensänderungen zugeordnet werden können:
- Selbstwertgefühl
- Selbstdisziplin und Frustrationstoleranz
- Selbstvertrauen
- Selbstbewusstheit und Selbststeuerung
- Selbstmotivation
- Empathie
- Entspannter Wachzustand
- Ausgeglichene Verhaltensweise
Das Spektrum der „erkannten” Kategorien erscheint einerseits etwas breiter als die im Rahmen des letzten Kurses herausgearbeiteten drei Faktoren. Andererseits finden sich durchaus vielfältige Bezüge, und auch bei den Unterkategorien können starke Überschneidungen in den Schwerpunkten festgestellt werden. Folgende Bezüge können hergestellt werden:
Tab. 16: Gegenüberstellung der Kategorisierung der beiden Kurse
| Bereich | Oberkategorien Schulenburg | Unterkategorien Schulenburg |
|---|---|---|
| Körperliche Wahrnehmung | Selbstbewusstheit, Selbststeuerung |
Emotionale Selbststeuerung, Gelassenheit, Selbstbewusstheit |
| Entspannter Wachzustand | Ausgeruhtheit, Gelassenheit, Konzentration |
|
| Ausgeglichene Verhaltensweise | Ausgeglichenheit | |
| Selbstvertrauen | Selbstvertrauen | Selbstsicherheit, Stärkung des Selbstbewusstseins |
| Selbstmotivation | Selbstorganisation, Selbstständigkeit |
|
| Selbstdisziplin, Frustrationstoleranz |
Zuversicht, Akzeptanz eigener Stärken und Schwächen, Bewältigung von Krisensituationen |
|
| Körperbetonte Selbstpräsentation | Empathie (teilweise) | Veränderung bei Freundschaften, Veränderung bei der Position in der Klasse |
Die Gegenüberstellung lässt erkennen, dass es eine große Überschneidung der Beobachtungen im Bereich „Selbstvertrauen” gibt. Die damit verbundenen Aspekte werden in der Diplomarbeit von Schulenburg noch weiter aufgefächert. Insgesamt stützen die Daten die Einschatzung der Begleitforschung, dass hier, zumindest im Kontext der Schule, eine starke persönlichkeitsrelevante Wirkung des Yoga zu vermuten ist.
Ein zweiter Überschneidungsbereich zwischen dem zweiten und dem dritten Kurs zeigt sich bei den Effekten der Körperwahrnehmung. Hierbei geht es Schulenburg auch um die erkennbaren körperlichen Wirkungen: Entspannung, Gelassenheit, mehr Ruhe und Konzentration. Die darauf bezogene Selbstwahrnehmung stellt eine weitere, damit verknüpfte Ebene dar, die in der Begleitforschung zum dritten Kurs hervorgehoben wurde.
Beim dritten Bereich, der „körperbetonten Selbstpräsentation”, gibt es vergleichsweise wenige Überschneidungen. Der Schwerpunkt der thematisierten sozialen Interaktionswirkungen liegt bei Schulenburg auf der Empathie nicht auf der Selbstpräsentation. Dennoch beschreibt auch sie Effekte, die mit der sozialen Position in einer Klasse oder mit Freundschaften zusammenhängen.
Betrachtet man beide Ansätze der Begleituntersuchung, lässt sich schlussfolgern: Die größten Chancen für eine Begleitforschung des Kinderyoga aus dem Blickwinkel der Persönlichkeitsentwicklung liegen wahrscheinlich in einer genaueren Untersuchung des Bereichs „Selbstvertrauen” in Verbindung mit einer veränderten Körperwahrnehmung und einer sich ändernden sozialen Interaktion in der Schülergruppe.
Seitenanfang6 Fazit
Ziel des Evaluationsprojekts „Kinderyoga an der Grundschule” war es, die Suche nach persönlichkeitsrelevanten Effekten des Yoga zu fokussieren. Es ging dabei nicht um eine harte Hypothesenprüfung, sondern um eine Erkundung möglicher Wirkungsbereiche auf der Basis qualitativer, dokumentarischer Verfahren. Die Grundlagen für weitere Begleitstudien sollten so geschaffen werden.
Trotz Einschränkungen bei den verfügbaren Daten konnte dieses Projektziel erreicht werden. Die Studie stützt sich auf sieben Fallanalysen (sechs Mädchen und ein Junge) aus den Klassen eins bis vier der Eichendorffschule in Bielefeld. Die Materialgrundlage bilden qualitative Interviews mit den Kindern, ihren Müttern und den beteiligten Klassenlehrern.
Eine entwicklungsfördernde Wirkung des Kinderyoga über die körperlichen Übungen hinaus ist denkbar. Hierauf verweisen die Ergebnisse der Pilotstudie. Die zentrale Frage ist: In welche Richtung sollte man weiter suchen, um Effekte noch besser zu beschreiben und zu belegen? Auf der Grundlage der Fallanalyse bieten sich drei interessante Wirkungsbereiche an, die es wert sind, noch genauer und auf der Basis größerer Zahlen evaluiert zu werden.
Hohe Akzeptanz bei Kindern, Eltern und Lehrern
Ganz deutlich erkennbar ist die hohe Akzeptanz für das Kinderyoga bei allen Beteiligten. Den Kindern hat das Yoga überwiegend sehr viel Freude gemacht. Die befragten Mütter stehen dem Yoga positiv gegenüber. Und auch die Lehrer sprechen sich für eine Fortführung des Angebots als bereicherndes Element für die Lebenswelt Schule aus. Neben der Akzeptanz des Angebots wurden im Rahmen der Studie drei Wirkungsbereiche herausgearbeitet.
Größere Ausgeglichenheit und Körperbeherrschung
Gut dokumentiert sind die körperlichen Effekte und die damit verbundene andere Körperwahrnehmung durch die Kinder. Sie beschreiben sich als ruhiger, entspannter, wacher aber auch gelenkiger. Ausgleichende Effekte werden auch von einem Teil der Mütter und den beteiligten Lehrern wahrgenommen. Eine größere Körperbeherrschung wird von einzelnen Kindern sogar unter Leistungsaspekten gesehen.
Gewachsenes Selbstvertrauen
Der Bereich „Selbstvertrauen” wird von den beteiligten Lehrern als zentral für mögliche persönlichkeitsfördernde Effekte des Yoga herausgestellt. Insbesondere bei den schwächeren Schülern lässt sich eine positive Entwicklung hin zu mehr Zuversicht, weniger Ängstlichkeit und einem größeren Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten feststellen. Die bei den Müttern vor und nach dem Kurs abgefragten Persönlichkeitsprofile stützen diese Einschätzung. Allerdings gehen die beobachteten Veränderungen offenbar nicht allein auf die Kursteilnahme zurück Kinderyoga unterstützt in diesem Sinne möglicherweise alterstypische Entwicklungsschritte bei den Kindern.
Körperbetonte Selbstpräsentation
Körperliche Wirkungen und wachsendes Selbstvertrauen stehen wahrscheinlich in einer Wechselwirkung mit den Möglichkeiten für eine körperbetonte Selbstpräsentation. Die Kinder können sich in sozialen Interaktionssituationen mit Lehrern und Mitschülern auf andere Art als bisher „beweisen”. Sie erhalten Lob für ihre erfolgreiche Präsentation von Yogafiguren. Ihre Stellung in der Klasse und die Wahrnehmung durch die Lehrer verändern sich. Denkbar wären diese interaktiven Effekte auch durch andere Arten von erlernten und trainierten Fertigkeiten (Tanzfiguren, Zirkuselemente). Das Kinderyoga mit seinen von den Kindern gut erinnerbaren und ansprechenden Figuren bietet sich hierfür aber sehr an.
Fortführung sinnvoll
Eine Fortführung des Kinderyoga im Rahmen der Offenen Ganztagsschule kann auf der Basis der vorliegenden Evaluationsergebnisse sehr empfohlen werden. Damit ergäbe sich die Möglichkeit, über einen längeren Zeitraum Erfahrungen mit den persönlichkeitsrelevanten Wirkungen des Yoga zu sammeln und noch mehr Brücken zwischen dem Unterricht und dem Yogakurs zu bauen. Als Option im Rahmen anderer Wahlmöglichkeiten ist das Kinderyoga als eine Bereicherung der OGS anzusehen.
Seitenanfang7 Quellen
Augenstein, Suzanne: Auswirkungen eines Kurzzeitprogramms mit Yogaübungen auf die
Konzentrationsleistung bei Grundschulkindern. Dissertation an Universität Gesamthochschule
Essen 2002. PDF-Dokument,
(URL des Volltextes: http://miless.uni-essen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-11216, abgerufen
14.6.2006).
Flick, Uwe (Hrsg.): Qualitative Evaluationsforschung. Konzepte - Methoden - Umsetzung. Reinbek 2006.
Schulenburg, Katja: Kinderyoga an der Grundschule. Eine qualitative Evaluation der Auswirkungen des Yoga auf die Persönlichkeitsentwicklung der teilnehmenden Kinder. Diplomarbeit an der Hochschule Bremen. Bremen 2008.
Seitenanfang8 Anhang
Sorry, ist noch nicht in HTML umgewandelt, folgt aber in Kürze ...
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